„Kreative“ retten die Wirtschaft!

Viele Kreative sind so überzeugt, dass sie gar nicht mehr wissen, wovon.

(„100 Ratschläge für Kreative“ auf Texter.de – Verzeichnis für Texter & Autoren)

Man höre und staune: Werber, Pardon: „Kreative“, treten an, um unsere Wirtschaft zu retten:

„Kreativität rückt mehr und mehr in den Fokus der Unternehmen. Schon jetzt liefern Kreative Antworten auf drängende Fragen unserer Gesellschaft. Sie entwickeln neue Geschäftsmodelle, begeistern Menschen mit ihren Ideen und liefern neue Methoden, wo alte Prinzipien an ihre Grenzen stoßen.“

Hört, hört, das hätte man diesen Werbefuzzis, Pardon: „Kreativen“, gar nicht zugetraut!

Stefan Scheer, Präsidiumsmitglied des Art Directors Club für Deutschland (ADC) e. V. und „Creative Director“ der Agentur Scheer nach dem Artikel „Vorboten einer neuen Ökonomie“ im IHK WirtschaftsForum [sic!], Heft 05.12, Seite 30, weiter: Während des ADC-Festivals vom 9. bis 13. Mai 2012 in Frankfurt am Main, das unter dem Motto „Ideen sind das Geld von morgen. Kreative als Vorboten einer neuen Ökonomie“ (!), stattfindet, könne man sich

„ein Bild davon machen, wie Kreative ihren Beitrag zu einer neuen Ökonomie leisten.“

Donnerwetter, wir sind gespannt! Und, so vollmundig und in maßloser Selbstüberschätzung sie wieder einmal tönen, erwarten wir, dass „Kreative“ kreative Beiträge zur sogenannten „Bankenkrise“ leisten, etwa in einer Imagekampagne zur Ehrenrettung der Bankenwelt, zumal die Deutsche Bank Partner des ADC ist:

Wir behandeln Ihr Geld wie unser eigenes! Ihre Bank

Oder für die Jobcenter:

Man lebt auch nur von Luft und Liebe! Wir kümmern uns, Ihre Jobcenter

Um den Konsum zu fördern und die Wirtschaftskrise zu bewältigen:

Kaufen Sie, solange sie noch können! Die deutsche Wirtschaft

Zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit:

Bei uns arbeiten nur die Besten! Gehören Sie dazu! Ihre Arbeitgeber

Und wir hoffen, dass wenigstens einer der Vorträge, die bei diesem Werbertreffen, Pardon: „Kreativentreffen“, gehalten werden, regen Zulauf findet (zitiert nach dem Programm): „‚Sinn statt Geld‘: Dr. David Bosshart erklärt, wie Kreative zu Gestaltern von Sinn, Bedeutung und Glück werden.“

Sinn statt Geld? Das muss es sein! Besser hätten wir es auch nicht ausdrücken können!

Aber hoffentlich geht dieser Schuss mal nicht nach hinten los, liebe „Kreative“, und, was eine Konsequenz aus diesem Vortrag sein könnte, ihr schafft euch selbst ab …

(Siehe auch „Reklame“ und „Der ADC und Schlingensief“!)

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Über Ronald

Kein Selbstdarsteller, aber auf Stellensuche, daher: Schriftsetzer, Korrektor/Lektor, Weiterbildungen zum Mediengestalter/Desktop-Publisher und zum Online-Redakteur. 11 Semester Germanistik, viele Jahre Erfahrung als Schauspieler und als Sprecher sowie als Perkussionist brasilianischer Musik und als Fußball-Torwart. Mehr? Seite „Zum Autor“!

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