Don’t Be a Sucker – Lass dich nicht verführen!

1943 während des Zweiten Weltkriegs veröffentlichte das US-Kriegsministerium diesen Film, um den Rassismus und Faschismus im Land zu bekämpfen. 1947 wurde er neu herausgebracht. Am Beispiel von Nazi-Deutschland zeigt „Don’t Be a Sucker“ den Aufstieg von Faschismus und dessen Mechanismen wie das Säen von Vorurteilen, Intoleranz, Hass und Ausgrenzung, die nicht nur Deutschland ins Verderben führten. Der Inhalt ist so aktuell wie vor mehr als 60 Jahren, nicht nur in den USA, wo er nach den rassistischen Vorfällen in Charlottesville, Virginia, eine erneute riesige Verbreitung erfuhr, weshalb er auch hier eingebettet werden soll: Don’t Be a Sucker, zu übersetzten etwa mit „Lass dich nicht verführen, veräppeln, verar…“ oder „Sei kein Trottel”.

Der Film zeigt den Auftritt eines Hassredners, der u. a. gegen Schwarze, Ausländer und Freimaurer hetzt. Während seine Worte anfangs bei Teilen des Publikums Anklang finden, kippt die Stimmung im Laufe der Rede, weil ein Zuhörer, ein aus Ungarn eingewanderter ehemaliger Professor, die Hassrede mit Vorgängen in Deutschland vergleicht: „Sie haben Vorurteile als Waffe benutzt, um die Nation zu lähmen. […] Menschen werden nicht mit Vorurteilen geboren. Sie werden für uns von jemandem gemacht, der ein bestimmtes Ziel verfolgt.“ Don’t Be a Sucker:


 
Siehe hier beispielsweise auch „Der Nazi in uns“, und man lese wieder einmal Brecht, so etwa sein Gedicht „Gegen Verführung“ mit dem Anfang

Laßt euch nicht verführen!
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen;
Ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.

(Siehe hier etwa auch „Gegen die Angstmacherei“!)


Kommentare

Don’t Be a Sucker – Lass dich nicht verführen! — 5 Kommentare

  1. Das ist ein kleiner Film, den ich bisher nur als Ausschnitt kannte (wobei das Original nun wirklich nicht lang ist), der unter die Haut geht, wenn man bedenkt, was heute bei uns und auch vielen anderen Ländern los ist.

    Überall wird ausgegrenzt, wird einer gegen den anderen ausgespielt und so die Gesamtheit der Bevölkerung in viele kleine unterschiedliche Gruppen geteilt, die man (erst dadurch) gegeneinander ausspielen kann. Seitdem es etwa seit 2015 viele Flüchtlinge in Deutschland gibt, wird ständig so getan, als ob sie den Obdachlosen und Armen im Lande etwas wegnehmen. Und wer der Obdachlosen und Armen im Lande gedenkt und mitleidig (und ein bisschen naiv) ist, der wird sagen „Ja, richtig. Zuerst unsere Obdachlosen oder Armen“ (so wie es heute auf der anderen Seite des großen Teichs heißt „America first“). Und? Würden die Armen oder die Obdachlosen 1 Cent mehr bekommen, wenn wir uns nicht für Füchtlinge einsetzen würden? Nein, aber wir hätten unsere Menschlichkeit sehr in Frage gestellt, wenn wir die fliehenden Menschen umkommen ließen (wie wir es heute in Mittelmeer und Wüste leider tun). Gleiches kann man bei anderen Themen beobachten (ob Mindestlohn, Mindestrente (also Absicherung des Existenzminimums), Kinderbetreuung usw.).

    Viele sollten den Film sehen. Man sollte ihn mit deutschen Untertiteln im frühen Abendprogramm des öffentlichen TV bringen.

    • Danke für deinen Kommentar; dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen! Wenn ich allerdings die Idee aufgreife, den Film „mit deutschen Untertiteln im frühen Abendprogramm des öffentlichen TV [zu] bringen“, wird mir im Voraus schon ganz schlecht, wenn ich an die bösen Kommentare von wegen „Staatsfernsehen”, „Umerziehung“, „Zensur“, „Meinungsfreiheit“ und ähnliche, womöglich sogar schlimmere denke.

      • Da hst du vollkommen recht. Aber…. soll man vor dieser Klientel zurückweichen? Erreicht man nicht doch ein paar Menschen, denen vielleicht nur noch nicht das Licht aufgegangen ist? Entlarven sich die Schmutzfinken nicht auch, wenn sie Dreck schleudern? Am Gefährlichsten sind m.E. die, die Kreide fressen und mit Pseudoargumenten kommen.
        Ich weiß auch nicht, wie man sich am besten verhält. Ich kommentiere immer gegenan, wenn ich rechtsradikales Gedankengut z.B. in Facebook lese. Ich muss nur immer aufpassen, dass ich nicht zu viel Lebenszeit damit verbrenne, denn vielleicht legen es einige ja auch darauf an, Linke oder Linkere (im Vergleich zu ihnen) zu beschäftigen und zu frustrieren und ob man es mit einem echten Menschen am anderen Ende zu tun hat, ist ja leider auch nicht mehr sicher. Auf der anderen Seite lesen meine Kommentare ja auch Menschen, die ich vielleicht davon überzeugen kann, dass meine Meinung zumindest richtiger ist (ich bin nicht so eingebildet zu meinen, dass ich immer absolut recht habe).

    • Noch ein kleiner Nachtrag zu meiner ersten Antwort. Leider waren die US-Amerikaner selbst auf dem besten Wege zu einem faschistischen Staat, und das gar nicht so lange nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, nämlich während der McCarthy-Ära, die sich durch Verfolgung echter oder vermeintlicher Kommunisten und deren Sympathisanten auszeichnete und von 1947 bis etwa 1956 dauerte. Thomas Mann, der als Folge seiner Flucht vor dem deutschen Faschismus seit 1938 in den USA lebte, empfand diese Anhörungen vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ (House Committee on Un-American Activities) als Vorstufe zum Faschismus: „Spiritual intolerance, political inquisitions, and declining legal security, and all this in the name of an alleged ‘state of emergency.’ … That is how it started in Germany.“ (1952, zitiert nach dem lesenswerten Artikel des New Yorker: „The Frankfurt School Knew Trump Was Coming“ vom 5. Dezember 2016).

      1950 veröffentlichten Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, die auch bereits im Exil in den USA lebten, die soziologische Studie „The Authoritarian Personality“ (Die autoritäre Persönlichkeit), die auf der Befragung von 2000 US-Amerikanern beruhte und die Vorurteilsstrukturen und den Zusammenhang von Autoritätsgläubigkeit und Faschismus untersuchte. Der erwartete Zusammenhang zwischen der Ausprägung von Antisemitismus, Ethnozentrismus und politisch-ökonomischem Konservatismus wurde darin weitgehend bestätigt. Die Weiterentwicklung der darin verwendeten sogenannten „F-Skala“ für faschistische Tendenzen (der Wikipedia-Artikel) zeigt, dass der heutige US-Präsident Trump und seine Wählerschaft mit dem Motto „Make America Great Again“ durchaus faschistische Züge aufweisen.

  2. Die Entwicklung – weltweit – ist erschreckend. Faschismus oder Vorläufer / Tendenzen allüberall. Wie ist das nur möglich? Warum lernen die Menschen nicht dazu? ;'(

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