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Dreißig Menschen — 7 Kommentare

  1. ich habs gele­sen – unbe­greif­lich. Ich kann viel­leicht nach­voll­zie­hen, dass sich nicht einer alleine ein­mi­schen will. Aber so viele Men­schen drum herum und diese Men­schen­gruppe kann nicht ein­schrei­ten, sich nicht ver­ei­nen gegen die Gewalt? Ich ver­stehe es nicht – macht mich zor­nig. Aber was hätte ich gemacht? Grü­bel – Grü­bel – Wahr­schein­lich die Stärks­ten von den 30 Mann ver­sucht zu mobi­li­sie­ren dazwi­schen zu gehen. Ist auch nicht beson­ders tap­fer gell?

  2. Ich kann die Feig­heit mitt­ler­weile ver­ste­hen, obwohl sie mich immer noch wütend macht.
    Bei mei­ner Arbeit gab es mal eine tät­li­che Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen zwei Män­ner, die ange­sta­chelt waren durch uner­träg­li­che Wohnverhältnisse.
    Die Poli­zei war geru­fen und eigent­lich hätte ich mich schüt­zen kön­nen und in mei­nem Büro sit­zen blei­ben kön­nen, dafür wäre ich nicht kri­ti­siert worden.
    Ich ging aber raus und stellte mich nah an die Strei­ten­den, eine Ver­mitt­lung war unmög­lich so waren die in Rage. Ich sah aber mit einem Auge, dass jetzt der Bru­der des einen Strei­ten­den die Treppe her­un­ter sprang mit einem Mes­ser in der Hand an ande­ren Män­nern vor­bei, die dabei stan­den. Ich stand zum Glück so, dass ich dann ein­fach nur die Hand des jun­gen Man­nes fest­ge­hal­ten habe bis er das Mes­ser fal­len ließ. Ich war danach heil­froh, dass mir sel­ber nichts pas­siert war.
    Kri­tik mei­ner Kol­le­gin, ich hätte Sicher­heits­vor­schrif­ten miss­ach­tet, das dürf­ten wir nicht.
    Kri­tik des Ver­wal­tungs­be­am­ten: Den hät­ten sie mal zuste­chen las­sen sol­len, dann wäre er abge­scho­ben worden.
    Dass sich nicht jeder traut kann ich ver­ste­hen. Dass dann so etwas aber keine Aner­ken­nung fin­det, dass Schlim­me­res ver­hü­tet wor­den ist spricht ein­fach dafür, dass unsere Gesell­schaft krän­ker ist als wir uns ein­ge­ste­hen wollen.

    • Es wäre inter­es­sant zu wis­sen, ob diese Form man­geln­der Zivil­cou­rage auch in ande­ren Län­dern so gehäuft auf­tritt. Diese drei­ßig Leute wur­den außer­dem gebe­ten, sich bei der Poli­zei als Zeu­gen zu mel­den. Wie aus frü­he­ren der­ar­ti­gen Fäl­len bekannt, wird jedoch kaum jemand (wenn über­haupt) die­ser Bitte nach­kom­men: aus Scham über ihr eige­nes Ver­hal­ten oder aus Angst davor, wegen unter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung ange­zeigt zu wer­den. Was wie­derum ein wei­te­res schlech­tes Licht auf diese Zeu­gen wirft, ver­hin­dert es doch die Ergrei­fung der Täter!

  3. Weil Men­schen Ego­is­ten sind… wir sind alle Ein­zel­kämp­fer gewor­den in den Städ­ten. Nie­mand kennt sich und jeder ver­sucht selbst heil da raus zu kom­men. So trau­rig es ist. Warum ist es wohl in Dör­fern anders? – Weil man sich unter­ein­an­der kennt. Man hilft, wen man kennt. In den Städ­ten sind es viele (zu viele) und jeder ist für sich allein.
    Wäre man in einer Gruppe unter­wegs wo man dar­auf ver­trauen könnte, dass man gemein­sam auf­tritt, würde man ein­grei­fen. Aber so… es sind 30 Men­schen und (so ver­mute ich) jeder für sich allein. Nie­mand ver­traut dem ande­ren (sein Leben an).
    Zu viele Men­schen an einem Ort, ohne Bezug zuein­an­der – so wach­sen einige schon auf und so wird sich des­halb auch nichts ändern.
    Gemein­schaf­ten waren … und gerade hier­zu­lande lebt jeder für sich. Weder Fami­lie noch Freunde wer­den (in zu vie­len Fäl­len) geschätzt und/​oder geschützt. Also was ist zu erwarten?
    Lei­der zu wenig…
    (Und ich muss zuge­ben ich gehe nie alleine in eine grö­ßere Stadt!)

    • Danke für Dei­nen aus­führ­li­chen Kom­men­tar als neue(?) Lese­rin, der sicher rich­tig ist, wenn­gleich er auch nichts daran ändert, dass (Jugend-)Gewalt auch in Klein­städ­ten bis hin­ein in die Dör­fer exis­tiert! Und wenn diese „genehm“ ist, etwa, wenn es gegen Aus­län­der oder andere Außen­sei­ter (denn sol­che gibt es trotz des Sich-unter­ein­an­der-Ken­nens auch in Dör­fern!) geht, wird dort auch gerne mal weg­ge­schaut, falls jemand dabeisteht …

  4. Sol­che Nach­rich­ten sind erschre­ckend und wir soll­ten uns nicht daran gewöhnen.

    Ich denke, dass Ele rich­tig gehan­delt hätte, denn andere ein­be­zie­hen und durch gezielte Anspra­che aus ihrer Lethar­gie zu rei­ßen, wird auch bei Erste-Hilfe-Maß­nah­men emp­foh­len. Ich hätte viel­leicht noch zusätz­lich ver­sucht, einen Not­ruf per Handy abzu­set­zen oder jeman­dem zu sagen, er oder sie möge es tun. Ich würde auf jeden Fall zumin­dest ver­su­chen zu helfen…

    Für die Men­schen im Umfeld der roten Grä­fin hoffe ich, dass sie -natür­lich auch auf sich selbst acht­ge­bend- auch wei­ter­hin enga­giert ist und Dienst­re­geln not­falls Dienst­re­geln sein lässt. Es gibt Situa­tio­nen, wo tro­ckene Regeln gera­dezu danach schreien, über­schrit­ten zu werden.

    Dass sol­che Gewalt auf dem Lande nicht vor­kommt, glaube ich aller­dings nicht. Ich lebe im länd­li­chen Raum und habe Erfah­run­gen mit Jugend­ge­walt und auch da gibt es genü­gend Gaf­fer, die zugu­cken, wenn einer halb tot geschla­gen oder gewürgt wird (die heile Welt auf dem Dorf gibt es schon lange nicht mehr, wenn es sie je gab). Vor­fälle in U- und S-Bah­nen kön­nen natür­lich nur dort vor­kom­men und hin­ter­her durch die Medien gehen, wo es U- und S-Bah­nen gibt. Auf dem Land pas­sie­ren Über­griffe halt anderswo und viel­leicht sind die Medien nicht so schnell zur Stelle (was die Öffent­lich­keit nicht weiß, macht sie nicht heiß).

    Ich werde auch wei­ter­hin (allein) Bahn­fah­ren, Groß­städte besu­chen, nachts nach Hause gehen. Wenn mir eine Situa­tion suspekt vor­kommt, kann ich immer noch z.B. ein Taxi neh­men. Aber ich will mich und meine Frei­heit nicht wegen sol­cher Mel­dun­gen ein­schrän­ken müs­sen. Sonst wäre ich näm­lich auch ein Opfer, ein Opfer mei­ner (eige­nen) Angst und Angst essen Seele auf.

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