Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (19)

Völkisch: über dessen Herkunft und Bedeutung

Es gibt Wörter, bei deren Gebrauch man sich vergreifen kann, weil sie unangemessen oder im jeweiligen Zusammenhang schlicht falsch sind. In loser Folge werden hier solche Wörter unter die Lupe genommen. Heute widmen wir uns dem Begriff „völkisch“.

Titelseite Völischer Beobachter

Soll es so wieder werden? Titelblatt der ersten Ausgabe nach der Übernahme durch die Nationalsozialisten vom 25. Dezember 1920 (Historisches Lexikon Bayerns)

In einem Gespräch mit der Sonntagsausgabe der Zeitung Die Welt vom 11. September 2016 äußerte Frauke Petry von der Alternative für Deutschland (AfD), dass sie den Begriff „völkisch“ neu besetzen möchte – und zwar positiv! Wörtlich sagte sie dort, dass man „daran arbeiten [müsse], dass dieser Begriff wieder positiv besetzt ist“. Und weiter: „Ich benutze diesen Begriff zwar selbst nicht, aber mir missfällt, dass er ständig nur in einem negativen Kontext benutzt wird.“ Sie habe ein Problem damit, „dass es bei der Ächtung des Begriffes ‚völkisch’ nicht bleibt, sondern der negative Beigeschmack auf das Wort ‚Volk’ ausgedehnt wird“. Der Begriff „völkisch“ sei letztlich „ein zugehöriges Attribut“ zum Wort „Volk“, sagte Petry.

Nun, widmen wir uns doch einmal dem Begriff und dessen Herkunft.

Der Duden über den Begriff „völkisch“

Der Duden über „völkisch”: „1. (nationalsozialistisch) (in der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus) ein Volk als vermeintliche Rasse betreffend; zum Volk als vermeintliche Rasse gehörend“ und „2. (veraltet) national“.

Hier wird schon einmal eindeutig, aus welcher Ecke der Begriff kommt.

Die Hintergründe des Völkischen

Ein sehr ausführlicher Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung vom 7. Juli 2016 weist darauf hin, dass „die Geschichte, Ziele und Protagonisten der ‚Völkischen‘ […] heute nahezu unbekannt [sind], obwohl sich viele Rechtsextreme auf die völkische Bewegung beziehen“, und bietet ausführliches Hintergrundwissen mit zahlreichen Quellenangaben.

Ohne hier auf Details eingehen zu wollen, wird nach der Lektüre jedoch deutlich, „dass die völkische Bewegung nicht nur das ‚unmittelbare Vorspiel des Hitlertums‘ ist, sondern deren Denkmuster über den Nationalsozialismus hinausreichen, also in die Jahrzehnte vor 1918 und seit 1945“.

Völkisch: auf den Müllhaufen der Geschichte damit!

Suchbefriff verbotszeichen Ausländer

Wer solche Suchbegriffe eingibt, denkt völkisch und wählt wohl AfD (Bildschirm-Schnappschuss des Kontrollzentrums von Ronalds Notizen)

Wer sich wie Frauke Petry von der AfD bewusst auf eine sprachliche Ebene begibt, dessen Wurzeln weit über den Nationalsozialismus hinausreichen, der/die würde sich in Zukunft auch nicht scheuen, Begriffe wie „Ariernachweis“, „Rassenschande“ oder „Volksfeind“ zu verwenden. Allesamt Begriffe, die eigentlich auf den Müllhaufen der Geschichte gehören, ebenso wie Bewegungen, Parteien und deren Funktionäre, die solche Wörter wieder populär machen wollen – wenn es nicht Ewiggestrige gäbe, die sie immer wieder hervorholen wollen!

(Dieser Beitrag erschien fast zeitgleich unter „In der Wortwahl vergriffen“ bei Setzfehler. Siehe hier beispielsweise auch „Ausländer“ und „Eine Alternative für Deutschland?“!)


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