Bei Mentz

Gerade liest Frankfurt wieder mal ein Buch. Das ist in diesem Jahr „Die Vollidioten“ von Eckhard Henscheid. Das Vorbild für die Kneipe, in der und um die dieses Buch spielt, stand damals um die Ecke des Wohnorts des Autors dieser Notiz und er war auch Stammgast „Bei Mentz“. Eine Gelegenheit, sich nun auch hier einmal zu erinnern!

Frankfurt liest ein Buch“, und das ist in diesem Jahr „Die Vollidioten“ mit dem Untertitel „Ein historischer Roman aus dem Jahr 1972“ von Eckhard Henscheid, das der Verfasser dieser Notiz vor vielen Jahren natürlich auch gelesen hatte. Die Kneipe, in der und um die dieses Buch spielt, heißt „Krenz“ bzw. „Krentz“. Das Vorbild dafür war die „Berliner Zille-Stube Bei Mentz“ nach den beiden Berliner Wirten, Vater und Sohn Mentz. Im Rahmen dieser „Literaturtage“ findet eine Ausstellung statt, zu der das Video „Bei Mentz: Am Tresen der Vollidioten“ veröffentlicht wurde, in dem sich u. a. Sohn Hans-Joachim Mentz, Autor Henscheid und Elsemarie Maletzke, das Fräulein Czernatzke des Romans, dieser Lokalität erinnern. Sie befand sich damals hier um die Ecke, und der Verfasser war von etwa 1974 bis zur Schließung 1975, also erst eine Weile nach der Zeit, in der dieser 1973 erstmals erschienene Klassiker der humoristischen Literatur spielt, auch Stammgast dort: eine für ihn wichtige Spanne seiner späten Jugend-, frühen Erwachsenenjahre, nachdem er 1974 als damals noch nicht Volljähriger mit 20 aus dem elterlichen Zuhause ausgezogen war.

Das Haus der Gaststätte stand im unteren Bornwiesenweg zwischen der Sackgasse Leimenrode und dem Oeder Weg im südlichen Frankfurter Nordend. Vom Eingang aus rechts befand sich der lange Tresen, dahinter und links standen blanke, teilweise lange Tische, ebenso im Nebenraum links vom Eingang, die es den Gästen sehr erleichterten, miteinander ins Gespräch zu kommen, besonders, wenn es voll war, und das war es an fast jedem Abend. Auf den Tischen befanden sich weder Blumengestecke noch Salz- und Pfefferstreuer, sondern nur Aschenbecher, was die Ablage der Getränke sehr vereinfachte. Irgendwo stand ein großer grüner Kachelofen, der sogar funktionierte, und an den Wänden hingen große und gelbliche Reproduktionen von „Milljöh“-Zeichnungen des Berliner Grafikers, Malers und Schriftstellers Heinrich Zille, von denen der Autor nie wusste, ob sie nach Sepia-Art angefertigt oder vom Zigarettenrauch vergilbt waren. Wahrscheinlich beides. Ja, es durfte damals noch überall geraucht werden, und dieser Tätigkeit wurde in diesem Lokal ausgiebigst gefrönt, wovon auch die Wände zeugten!

Dort verkehrte wirklich alles: vom gemeinen Nordendbürger, der damals noch eher einem proletarischen Milieu und einer unteren Mittelschicht zuzuordnen war als der typischen Nordendschickeria von heute, über Schauspieler vom nahe gelegenen Theater am Turm TAT (im alten Volksbildungsheim, erinnert man sich? Fassbinders Zeit am TAT war aber erst später!) bis zu Mitarbeitern des auch nicht weit entfernten Hessischen Rundfunks und natürlich Studenten, Künstlern usw. Der Kellner Erwin (im oben genannten Video ab Sekunde 46 ganz links auf der Fotografie) wohnte mit dem Verfasser dieser Notiz im selben Haus um die Ecke, was seine Kreditwürdigkeit erhöhte: Wenn er mal kein oder nicht genügend Geld hatte, um die Zeche zu begleichen, brauchte er ihm nur zu sagen, dass er ihm die Summe am nächsten Tag in den Briefkasten werfen würde, worauf ihm jener, da dies regelmäßig pünktlich erfolgte, die offenen Rechnungsbeträge aus eigener Kasse vorschoss.

Getrunken wurde meist das Bier einer der damals noch mehreren Frankfurter Brauereien; es gab nur vielleicht zwei oder drei Weine, aber auch den Kirschlikör Persiko, ein Getränk, das ab einer gewissen Überdosierung imstande war, einem am nächsten Morgen heftigste Kopfschmerzen zu verursachen. Zu essen gab es Soleier aus einem großen Glas, das auf dem Tresen stand, und Buletten, die natürlich auch wirklich „Buletten“ hießen und nicht etwa „Frikadellen“, beides jeweils mit Senf serviert. Eine Küche gab es zwar und auch eine Köchin in Person der Frau des älteren Mentz, der Autor kann sich aber kaum mehr an irgendwelche Speisen erinnern. Zu seinen interessantesten Bekanntschaften dort gehörten zwei junge Studentinnen aus Finnland, zu denen er sich eines späten Abends an den Tisch gesellte und denen er die Erkenntnis verdankt, dass sich das Finnische keineswegs so anhört wie es geschrieben aussieht.

Zu jener Zeit wollte die CDU im Sinne der von ihr geplanten autogerechten Stadt den nahegelegenen Oeder Weg verbreitern, wobei neben mehreren anderen auch das Haus dieser Lokalität zum Opfer gefallen worden wäre und wogegen eine Bürgerinitiative Unterschriften sammelte. Die Wirte versicherten damals, dass sie ihr Haus um keinen Preis der Welt verkaufen würden. Warum dieses Lokal Ende 1975 plötzlich doch geschlossen und später auch dieses Haus abgerissen wurde, hat sich dem Autor nie erschlossen [Nachtrag vom 9. April nach Besuch der Ausstellung: Nach einem dort veröffentlichten, leider undatierten Artikel von Elsemarie Maletzke in der Frankfurter Rundschau und einem ebenso undatierten Kommentar aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung existierte ein alter Bebauungsplan für dieses und das Nachbargrundstück. Er sah zwar in dem geplanten Neubau auch eine Gaststätte vor, die neue Miete hätte jedoch der verbliebene Wirt nicht zahlen können. Ein frühes Beispiel für Gentrifizierung also, auch wenn das Wort damals noch weitgehend unbekannt war!]. Auf der Bilderseite von „Frankfurt liest ein Buch“ gibt es eine alte Fotografie des Gasthauses „Bei Mentz“ von 1977; das sehenswerte außen dunkelgrün verkachelte, auf einem dreieckigen Grundriss gebaute Nebenhaus ist darauf bereits abgerissen worden. Der Autor dieser Notiz muss leider der Möglichkeit entsagen, das Bild, dessen Rechte das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte innehat, hier einzubauen, da ihn die Lizenz dazu dutzende von Euros gekostet hätte. Es existiert allerdings auch eine dort nicht gezeigte, vermutlich ältere Fotografie, auf der das Lokal „Gaststätte Krenz“ heißt.

Doch seit seiner Entdeckung dieses Lokals hatte er „Bei Mentz“ herrliche Zeiten verbracht; eine solche Kneipe, wie sie von der Durchmischung des Publikums her wohl auch nur von Berlinern geführt werden kann, gab es hier nie wieder!

Verweise zum Thema:
Inhaltsangabe von „Die Vollidioten“
Mein Stadtteil: das Frankfurter Nordend

Forderung!

Den Autor erreicht ein Schreiben mit der Forderung einer Firma, deren Leistung er nie beansprucht hat

Eine vorgebliche Forderung eines Unternehmens, bei dem man nie Kunde war und dessen Leistungen man nie beansprucht hat? Ein Schreiben von einem Inkassounternehmen, das auch nicht näher auf die eigentliche Forderung eingeht? Das kommt dem Autor reichlich seltsam vor!

Der Autor staunte nicht schlecht, als er heute einen hellgrauen Fensterbriefumschlag mit der im Fenster einsehbaren Absenderangabe „BFS risk & collection GmbH“ aus 33405 Verl vorfand. Nach dem Öffnen stellte sich heraus, dass er eine „Forderung der PayPal (Europe) SARL & Cie. S.C.A.“ über einen Betrag von € 48,43 beinhaltete. Dieser setzt sich aus der eigentlichen Forderung in Höhe von € 15,99, „5,00 Prozentpunkte[n] über Basiszins bis zum 12.04.2014“ in Höhe von € 0,04 und der „Inkassovergütung“ in Höhe von € 32,40 zusammen, wobei der Autor darauf hingewiesen wird, dass die BFS risk & collection GmbH „freiwillig nur einen Teil der uns eigentlich zustehenden Bearbeitungsvergütungen berechnet“. Werde die genannte Frist nicht eingehalten, werde man „die gesamte nach dem Gesetz zustehende Bearbeitungsgebühr in Höhe von EURO 70,20 analog Nr. 2300 VV RVG berechnen müssen“. Zusätzlich lag dem Schreiben gleich ein bereits ausgefülltes Überweisungsformular mit weiteren Hinweisen in Deutsch, Russisch, Türkisch und Englisch bei.

Hm!

Beim ersten Anblick erinnerte das Schreiben eher an eine Fotokopie als an einen Ausdruck, aber das kann täuschen. Viel seltsamer erschien es dem Autor jedoch, dass er bei dem Zahlungsdienst PayPal weder über ein Konto verfügt noch jemals über diesen irgendwelche Überweisungen vorgenommen hat, ja, deswegen gar nicht vornehmen konnte!

Mann mit offenem Geldkoffer

Manche Forderungen sind schlichtweg Geldklau! (Microsoft Clip Art)

Nach ersten Recherchen im WWW über das Inkassounternehmen BFS, das es tatsächlich zu geben scheint (zumindest verfügt es über eine seriös erscheinende Website, was allerdings heutzutage rein gar nichts zu bedeuten hat!), das aber auch mit einigen für diese Firma wenig schmeichelhaften Suchergebnissen aufwartet (so fand der Autor etwa die Homepage von Peter Becker, wo man unter „Fundgrube“ über „Recht und Verbraucherschutz“, „Erlebnisse mit bestimmten Firmen und Marken“ zum gesammelten Schriftverkehr mit der BFS risk & collection GmbH kommt, wobei unter „Anlagen Fall 2“ ein Schreiben dieser Firma, in dem sie mit Erschießung droht, seine besondere Aufmerksamkeit fand), beschloss der Autor, dass es sich bei diesem Schreiben um einen raffinierten Versuch handelt, ihm das (nicht vorhandene) Geld aus der Tasche zu ziehen. Sicherheitshalber kontaktierte er jedoch sowohl BFS als auch PayPal, um mehr über diese doch sehr merkwürdige Forderung zu erfahren. Inzwischen geht der Autor davon aus, dass BFS risk & collection GmbH dazu missbraucht wurde, auf kriminellem Weg und unter Verwendung von deren wahrscheinlich gefälschten Briefbögen unberechtigte Forderungen einzuziehen.

Bislang wartet er noch auf die Reaktionen der beiden kontaktierten Firmen, aber die Fortsetzung wird hier publiziert werden!

Nachtrag vom 12. April: Heute schriftliche Antwort von BFS mit der Forderungsaufstellung erhalten. Also kein gefälschtes Schreiben vorher! Allerdings rekrutiert sich die Forderung aus einem angeblichen „Dienstleistungsvertrag“, dessen Nummer zwar angeführt wird, der dem Autor aber völlig unbekannt ist, siehe oben. PayPal hat sich bis dato noch nicht geäußert. Also sofortiger Widerspruch bei BFS!

Die weichen Mäntel

Ihre weichen Mäntel hängen alle im Schrank,
so träumte mir gestern in tiefdunkler Nacht.
Sie steht stolz daneben,
doch sie will mir nicht geben,
nach was mich bei diesem Anblick so drängend verlangt.
Und als ich dann schließlich bin aufgewacht,
fühlt’ mich so müde und so leer und so krank.

(Siehe hier auch „Kuscheljacke“!)

Das Gesicht im Spiegel

(Sommersonnenwende, fünfzehnter Teil)

Eigentlich hat er keine Lust mehr, noch einmal zurück in den Saal zu gehen. Er fühlt sich veräppelt. Diese ganze Feier oder was das sein sollte, hatte den Anschein, als ob sie nur für ihn veranstaltet worden wäre. Und dass „Marieluise“ hinter all dem steckt! Was sollte es und wie kam es überhaupt dazu, ihm noch einmal einige seiner früheren Frauenbekanntschaften, Beziehungen und Liebeleien vorzuführen? Wenn er nicht geflüchtet wäre, wären wahrscheinlich alle erschienen, selbst solche, an die er sich kaum mehr erinnern konnte, wie neugeboren aus seiner hintersten und längst verblassten Erinnerung. Sie sind Vergangenheit, er hatte nicht mehr an sie gedacht — doch hatte er sie auch verarbeitet? War das der Grund, weshalb sie ihm alle noch einmal erschienen waren? Mit einem Anflug von schlechtem Gewissen fühlt er sich nun, als ob er sie verraten hatte — oder war er verraten worden?

Er, so stellt er an sich fest, hat ein etwas flaues Gefühl, ihr nun entgegenzutreten, falls sie sich tatsächlich im Saal befindet, wovon er keineswegs überzeugt ist. Aber mit einer ungewissen Hoffnung auch auf Erklärung und dem Gedanken „Ach, es ist schwer, diese Gottesspur zu finden inmitten dieses Lebens, das wir führen, inmitten dieser so sehr zufriedenen, so sehr bürgerlichen, so sehr geistlosen Zeit, im Anblick dieser Architekturen, dieser Geschäfte, dieser Politik, dieser Menschen!“ aus Hermann Hesses „Steppenwolf“ tappt er erneut dem Saal entgegen.

Auf dem Weg dorthin verspürt er ein inzwischen immer dringender werdendes Bedürfnis, die Toilette auf dem Gang aufzusuchen. Er öffnet und schließt die quietschende und knarrende Altbautür, entleert seine Blase in das Urinal und tritt dem Waschbecken mit dem kleinen Spiegel darüber entgegen. Er blickt in ein übermüdetes Gesicht mit geröteten Augen. Ein alter, immer stärker ergrauender Wolf, fällt ihm dazu ein. Er fühlt sich verdammt erwachsen — und verdammt hilflos!

Doch jetzt war er (wieder einmal) allein, und daran würde sich wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Er denkt an die Tage und Wochen, möglicherweise Monate und Jahre, die ganze ihm noch verbleibende Zeit, die vor ihm liegt, bis auch er sterben wird. Irgendetwas fehlt ihm, irgendetwas tief in ihm sehnt sich nach einem Gefühl für etwas, was in dieser Zukunft liegt, nach so etwas wie einem Zuhause. Aber mit wem? Gute Frage, sehr gute Frage! „Wo in dieser Stadt, wo in dieser Welt lebt der Mensch, dessen Tod mir einen Verlust bedeuten würde? Und wo der Mensch, dem mein Tod etwas bedeuten könnte?“, fragte sich schon der Steppenwolf Harry Haller, und das Gesicht im Spiegel spricht es ihm nach.

Er lebt gern allein, einerseits, aber nun er konnte sich auch nicht einen Moment lang vorstellen, vielleicht den Rest seines Lebens in solch einem Zustand der Einsamkeit zu verbringen, der einem Exil gleichkam, ausgeschlossen vom Glück. Es mutet ihm den Ernst des Lebens zu, ohne Aussicht darauf, jemals zu zweit glücklich zu werden. Wir sind einsam, ich bin einsam, denkt er, ein einsamer alter Steppenwolf. Nur unsere Bedürfnisse und unsere Liebesfähigkeit halten die Einsamkeit in Schach: die Dunkelheit und mit ihr das Wissen um das bittere und traurige Leid vom Verlust der Liebe. Nichts ist schmerzlicher als der Verzicht auf einmal erlebte Lust, so oder ähnlich meinte er, irgendwo bei Freud gelesen zu haben.

Er könnte schreien, aber das tut er nicht. Stattdessen wendet er sich von seinem Gesicht im Spiegel ab und rafft sich auf, um nun doch noch einmal dem Saal entgegenzutreten.

(Fortsetzung folgt.)

Die Energiewende retten!

Aufruf zur Energiewende-Demonstration

Die Energiewende ist in Gefahr: Die schwarz-rote Koalition setzt auf Atom- und Kohlekraft, etwa mit neuen Subventionen, die verhindern, dass alte Kohlekraftwerke eingemottet werden. Zusätzlich werden neue Kohlemeiler gebaut (siehe „Die Rückkehr der Kohle“ beim NDR). Der Zubau erneuerbarer Energien droht mit einem Ausbaudeckel und massiven Förderkürzungen abgewürgt zu werden. Nach der Photovoltaik soll es der Windkraft an den Kragen gehen. Die großen Energieerzeuger RWE, Eon und Vattenfall haben sich so massiv durchgesetzt wie lange nicht mehr.

Deshalb ruft der Trägerkreis Energiewende-Demo, initiiert von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Kampagnen-Netzwerk Campact und den Naturfreunden sowie vielen weiteren, für den 22. März 2014 zu bundesweiten Energiewende-Demonstrationen in vielen Landeshauptstädten auf. Eine weitere, zentrale Demonstration ist für den 10. Mai 2014 in Berlin geplant. Für weitere Informationen das Bild anklicken:

Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom!

(Siehe hier auch „Energiewende“!)