Einsamkeit und Alleinsein

oder Gemeinsam einsam und allein im Internet?

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(aus dem Gedicht von Rainer Maria Rilke: Herbsttag)

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut. [...]
Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut!

(aus einem Gedicht von Wilhelm Busch aus: Zu guter Letzt)

Der Zustand der Einsamkeit ist altbekannt: Schon seit der Antike haben sich Philosophen und Künstler mit ihr beschäftigt. Heutzutage ist Einsamkeit eher ein Thema für Mediziner, Soziologen und vor allem für Psychologen. Die Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein, kennen viele, und das trotz der Möglichkeiten des Internets. Und es werden immer mehr. Was hat das Internet mit Vereinsamung zu tun? Wie geht es Menschen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung, die Angst vor Nähe und vor Einsamkeit haben? Ist Einsamkeit überhaupt dasselbe wie Alleinsein?

Einsamkeit ist alt

Eleanor-Rigby-Statue in Liverpool

War sie einsam oder allein? Die Eleanor-Rigby-Statue in Liverpool (Autor: Johncons Erik Ribsskog/Wikimedia Commons)

„Einsamkeit bezeichnet die Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein. Die Sozialwissenschaften erblicken in Einsamkeit überwiegend eine Normabweichung und einen Mangel; die Geisteswissenschaften billigen der Einsamkeit auch positive Aspekte zu, im Sinne einer geistigen Erholungsstrategie, die Gedanken ordnen oder Kreativität entwickeln bzw. fördern kann.“ So beginnt der Wikipedia-Artikel über Einsamkeit. Auf die Geschichte der Rezeption dieser „Empfindung“ geht er leider nicht ein, aber Einsamkeit ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Ob schon Adam und Eva einsam waren, weil sie keine Freunde hatten außer sich selbst – wie sollten sie auch? –, sei dahingestellt.

Später, seit der Antike, haben sich Philosophen und Künstler mit ihr beschäftigt und sie unterschiedlich bewertet. Heutzutage ist Einsamkeit eher zu einem Thema für Mediziner, Soziologen und vor allem für Psychologen geworden. Seit Adam und Eva sind wir viel mehr Menschen auf diesem Planeten und haben viel mehr Möglichkeiten, die Einsamkeit (und die Angst vor ihr) zu umgehen, doch es mehren sich die Anzeichen, dass wir einsamer sind als unsere Ahnen.

Alleinsein und Einsamkeit – und Borderliner

Um es vorwegzunehmen: Einsamkeit ist nicht mit dem Alleinsein gleichzusetzen. Während Letzteres ein zeitlich begrenzter und oft auch selbst gewählter Zustand ist, ist Einsamkeit ein Dauerzustand. „Wenn dich alles verlassen hat, kommt das Alleinsein. Wenn du alles verlassen hast, kommt die Einsamkeit“, soll Alfred Polgar gesagt haben. Oft aber fühlen wir eine Angst sowohl vor dem einen als auch dem anderen Zustand. Und flüchten in den Trubel – oder ins Internet. Man kann anderen inzwischen ein Burn-out-Syndrom gestehen, vielleicht auch ein Bore-Out, gar eine Depression oder eine andere psychische Störung, aber einsam zu sein? Nur im Internet ist das möglich, und wo viele einsam sind, ist niemand allein, sollte man meinen.

Apropos psychische Störungen: Menschen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung (Emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs, abgekürzt BPS) haben Angst vor Nähe und vor Einsamkeit zugleich. Mitunter panische Ängste! (Zu große) Nähe kann dem mühsam aufrecht gehaltenen Selbstbild sehr gefährlich werden, aber allein wollen sie auch nicht sein. So wird jede Beziehung, zweifelhaft und verzweifelt gesucht, mehr oder weniger aus Not, hervorgerufen durch die Angst vor der Einsamkeit eingegangen, früher oder später, meist früher, zerstört. Erkennen wir, die im Internet Dutzende von Blog-Einträgen, Status-Aktualisierungen, „Tweets“, Selbstporträts („Selfies“), Kommentaren usw. veröffentlichen und auf den hochgereckten „Gefällt mir“-Daumen klicken, manchmal oder oft sogar stündlich, wenigstens aber täglich, und den ganzen Tag mit einem mobilen Kommunikationsgerät in der Hand herumlaufen, um nur ja keine Reaktion auf die Posts, Status-Updates, Tweets, Selfies und Kommentare zu verpassen, uns hier nicht wieder: (fast schon krampfhaft) nach Nähe suchen, aber einsam bleiben?

Ich poste, also bin ich

Mann hinter Klapprechner auf Bahnsteig

Der moderne Mensch: immer an einem Rechner (Microsoft Clip Art)

Das Verb „posten“ scheint zu einem Synonym für unsere Gesellschaft geworden zu sein: Ich poste, also bin ich! Selbst unsere tägliche Sprache ist aus dem Internet entlehnt: Kurzformeln, aus den Short Message Services (SMS) übernommen, geben stakkatohaft über unsere „Internetaffinität“ Auskunft. Nur bleibt dabei leider unsere Lebensaffinität auf der Strecke: „Wenn du all deine Energie in Facebook steckst, kannst du sie nicht in Dinge stecken, die tatsächlich funktionieren könnten“, schreib ein unbekannter US-amerikanischer Blogger namens „The Last Psychiatrist“. Und wer alles Interessante nur noch durch den Fokus der Kamera seines mobilen Kommunikationsgeräts sieht, um es für für irgendjemanden zu dokumentieren und irgendwo hochzuladen, hat von dem Ereignis selbst nichts, weil es eben nur gefiltert wahrgenommen wird.

Auch wie beim Borderliner bleibt doch bei allem Tun, aller Internetaktivität eine gewisse Unverbindlichkeit. Das Netz ist anonym, und der Mensch hinter dem Bildschirm bleibt es meist auch, sowohl auf der einen als auf der anderen Seite. Ganz bei sich, sofern wir es denn wünschen, ist man oft noch nicht einmal während des Alleinseins. „Alles Unheil kommt von einer einzigen Ursache, dass die Menschen nicht in Ruhe in ihrer Kammer sitzen können“, schrieb Blaise Pascal in seinen „Gedanken“ schon im 17. Jahrhundert, und gar ein Jahrhundert früher Michel de Montaigne in „Von der Einsamkeit“: „Unter unseren alltäglichen Handlungen ist von tausend nicht eine, die uns angeht.“ Sätze, die heute gültiger erscheinen als zu der Zeit, als sie gedacht und verfasst wurden!

Einsamkeit hängt damit zusammen, nicht allein sein zu können. Ganz bei sich ist man nur in der Einsamkeit, die aber unter allen Umständen vermieden werden soll, genauso wie das Alleinsein. Dabei bedingt doch eins das andere!

Authentizität und Selbstverwirklichung

„Authentisch sein“ und „Selbstverwirklichung“ heißen andere Gebote dieser Zeit. Beides gerät aber im Zusammenleben mit anderen in einen Konflikt: Entfremden wir uns nicht von uns selbst, geben das, was wir als unser Ich bezeichnen, nicht auf, wenn wir uns einem oder mehreren anderen Menschen zu sehr nähern?

Auch das sind Verhaltensweisen und Gedanken wie bei Menschen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung! Von vielen Psychologen übrigens schon als die psychische Krankheit des 20. Jahrhunderts bezeichnet, scheint sie auch das 21. einzunehmen. Und da wir gerade bei Vergleichen sind: Viele Borderliner gelten als sehr kreative Menschen (wenngleich in vieler Hinsicht aus purem Überlebenswillen: Die Kreativität dient, ähnlich wie die Improvisation bei armen Menschen im Süden der Erdkugel, dazu, den Alltag zu organisieren!). Und leben wir nicht auch in einem Zeitalter der „Kreativen“, in dem jeder gern ein Künstler ist oder wäre oder sich zumindest so sieht?

Die Möglichkeiten des Internets beflügeln geradezu die Kreativität, sie und sich selbst auszudrücken, aber das Internet und seine Anonymität bedeuten eben auch einen Verlust von Aufgehobenheit. Wir können dort zwar authentisch sein und uns selbst verwirklichen, im schlimmsten Fall – der gar nicht so selten ist! – sogar den Beleidiger, den Rüpel, den Stalker und Kriminellen in uns herauslassen, aber damit nur andere Beleidiger, Rüpel, Stalker und Kriminelle auf den Plan rufen!

Einsamkeit im Alter nimmt zu

Einsamkeit betrifft keineswegs nur junge und Menschen mittleren Alters. Nach einer Studie der American Association of Retired Persons (AARP) aus dem Jahre 2010 sind 35 Prozent der Über-45-Jährigen chronisch einsam. In Deutschland dürfte es ähnlich aussehen: Nach einer auf dem Statistik-Portal Statista veröffentlichten Umfrage „Wie sehr stimmen Sie persönlich der Aussage ‚Ich fühle mich oft einsam.‘ zu?“, die allerdings keine Altersangaben nennt, antworteten immerhin 15,3 Prozent mit „stimmt eher“, 7,6 Prozent mit „stimmt ganz und gar“ und 0,7 Prozent wollten keine Angaben machen. Man darf vermuten, dass unter der überwiegenden Mehrheit, die „ganz und gar nicht“ oder „eher nicht“ zustimmt, und unter denen ohne Angabe eine „Dunkelziffer“ von Menschen steckt, die den Gedanken, dass sie einsam sein könnten, weit von sich weisen würden.

Und man darf weiterhin vermuten, dass die Anzahl der einsamen Alten noch zunehmen wird, denn die steigende Altersarmut trägt keineswegs dazu bei, ein geselliges Leben führen zu können – was, nebenbei bemerkt, auch auf Arbeitslose zutrifft, die ebenso stark von Vereinsamung bedroht sind. Und irgendwann wächst die jetzige Generation der „digitalisierten“ Einsamen nach. Wie sangen schon The Beatles in „Eleanor Rigby“, einem Lied, das den Zustand der Einsamkeit so treffend beschreibt: „Ah, look at all the lonely people“ …

Gesundheit und Abhilfe

Dass Einsamkeit auch gesundheitliche Probleme hervorruft, dürfte außer Frage stehen. Sie schlägt unter Anderem, welche Ironie, auf das Herz! Einsamkeit tötet (früher), lässt sich mit Fug und Recht behaupten. Aber was hilft gegen Einsamkeit? Eine Beziehung? Freunde? Geselligkeit? Doch auch eine gesellige Runde unter Arbeitskollegen oder Freunden, eine Beziehung oder gar eine Ehe, selbst die Liebe kann einen nicht vor Einsamkeit schützen.

Was uns helfen kann, ist Verbundenheit. In diesem Wort steckt „verbinden“, womit keine Internetverbindung gemeint ist! Verbundenheit ist Anteilnahme am Leben anderer, das über reines Interesse hinausgeht, und kann am ehesten über eine andere Person hergestellt werden. Das setzt allerdings voraus, dass die Außenwelt für unsere Innenwelt auch erreichbar sein muss, und das ungefiltert durch digitale Medien! Und, so paradox es klingen mag, über und durch das Alleinsein, das Allein-sein-Können!

Alleinsein – müssen ist das Schwerste, Alleinsein – können das Schönste.

(aus Hans Krailsheimer: Kein Ausweg ist auch einer)

„Es ist ein herrlich Ding um die Einsamkeit! Aber wir brauchen immer ein Wesen, dem wir sagen können: ‚Es ist ein herrlich Ding um die Einsamkeit!‘“ schrieb der Dichter Friedrich von Matthisson 1832. Oder, um es mit Goethe aus einem seiner Briefe an Charlotte von Stein zu sagen: „Um die Einsamkeit ist’s eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat.“ Ob er hier allerdings um den Unterschied zwischen der Einsamkeit und dem Alleinsein gewusst oder die Begriffe synonym verwendet hat, wissen wir nicht. Aber wann haben wir eigentlich zuletzt einen Brief oder wenigstens eine Karte geschrieben?

Können wir das überhaupt noch?

Verweise zum Thema:
DIE WELT: Was Alleinsein von Einsamkeit unterscheidet
DIE WELT: Warum man trotz vieler Freunde einsam sein kann
Umfrage auf Statista: Häufige Einsamkeit – Zustimmung
Malte Welding: Epidemie der Einsamkeit mit weiteren Verweisen
Berliner Zeitung: Leben in Zeiten von Facebook: Gemeinsam allein im Internet
Das Single-Dasein: Thema des Monats: Einsamkeit. Single-Haushalte und die Fröste der Freiheit
AARP: Loneliness among Older Adults: A National Survey of Adults 45+ (PDF, 393,1 KB, englisch)
Johannes Bannwitz: Emotionale und soziale Einsamkeit im Alter. Eine empirische Analyse mit dem Alterssurvey 2002 (Diplomarbeit im Fach Soziologie, PDF, 1,5 MB)
The Last Psychiatrist: A Generational Pathology: Narcissism Is Not Grandiosity (englisch)
Ronalds Notizen: Zwitschern
Ronalds Notizen: Bin gut angekommen
Ronalds Notizen: 140 Zeichen (13)

Rauch

oder Was haben Kohlekraftwerke, das Rauchen und Rauchmelder miteinander zu tun?

Kohlekraftwerke, das Rauchen und Rauchmelder: Auf den ersten Blick scheinen sie nichts gemeinsam zu haben — außer, dass alle etwas mit Rauch zu tun haben. Der Autor macht sich anhand von verschiedenen Medienberichten über die Gefährlichkeit von Kohlekraftwerken, die Schädlichkeit des Rauchens und die gesetzliche Pflicht zur Anbringung von Rauchmeldern seine Gedanken — und findet noch mehr Gemeinsamkeiten.

Die Gefährlichkeit von Kohlekraftwerken

Kraftwerk (Microsoft ClipArt)

Ein Kraftwerk verpestet die Luft. (Microsoft Clip Art)

Bereits anfangs dieses Jahres sendete der Norddeutsche Rundfunk (NDR) den Bericht „Die Rückkehr der Kohle“, in dem erklärt wird, warum in Zeiten der Energiewende überhaupt neue Kohlekraftwerke gebaut werden, warum so viel Kohle verfeuert wird wie lange nicht, woher sie kommt, dass nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Abbauländern wie Kolumbien, von denen wir unsere Kohle erhalten, die Einhaltung von Umweltstandards kaum eingehalten wird, was Energieerzeuger wie Vattenfall damit zu tun haben und dass wegen der hohen Emissionen von Kohlendioxid (eigentlich Kohlenstoffdioxid, CO2) Kohle der klimaschädlichste Brennstoff zur Stromerzeugung sei. Ein heute erhaltenes Faltblatt „Schwarzes Gift. Wie die Kohlekraft Mensch und Umwelt schadet“ des Umweltinstituts München e. V. klärt einen gar darüber auf, dass trotz der bekannten Schädlichkeit immer neue Kohlekraftwerke entstehen, durch den großflächigen Abbau von Braun- und Steinkohle ganze Dörfer und Landschaften zerstört werden und warum Kohle krank macht.

Die Schädlichkeit des Rauchens

Ein Raucher

Ein Raucher, erwischt! (Microsoft Clip Art)

Haben wir, egal, ob Raucher oder nicht, es nicht schon längst gewusst: Rauchen verkürzt die Lebensdauer? Nach einer in einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom 16./17. August 2014 zusammengefassten, seit 20 Jahren laufenden europaweiten Langzeitstudie, an der das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg beteiligt ist, im Schnitt um genau 9,4 Jahre, falls mehr als 10 Zigaretten pro Tag geraucht werden. Tröstlich scheint wenigstens, dass sich mangelnde körperliche Aktivität „nicht durch einen signifikanten Verlust an Lebenserwartung bemerkbar“ macht!

Die gesetzliche Pflicht zur Anbringung von Rauchmeldern

Ein Brandmelder

Rauchwarnmelder werden Pflicht! (Microsoft Clip Art)

Die gesetzliche Pflicht zur Anbringung von bzw. zur Nachrüstung mit Rauchmeldern wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt; fest steht jedoch, dass Rauchwarnmelder, wie sie komplett heißen, inzwischen in jeder Wohnung vorgeschrieben sind, und zwar in Schlafräumen, Kinderzimmern, Fluren und Treppenhäusern. Und das, obwohl laut Statistischem Bundesamt die Anzahl der bei Bränden verstorbenen Personen in Deutschland von 1991 bis 2003 auch ohne Rauchwarnmelderpflicht um 43 Prozent gesunken ist; der Artikel „Rauchmelder werden Pflicht“ in der Frankfurter Rundschau vom 19. Juli 2014 nennt gar eine aktuelle Zahl von „rund 50 Prozent“! Der Schreiber eines Leserbriefs weist zusätzlich darauf hin, dass „in den letzten Jahren sehr viele Öfen für Festbrennstoffe in Häusern und Wohnungen nachgerüstet worden“ (und zudem immer noch viele Öl- und Gasöfen in Betrieb) sind, woraus sich ein weiterer Gefahrenschwerpunkt ergibt, „vor dem die Rauchmelder nicht schützen: die Kohlenmonoxidvergiftung“. Wer hat nicht schon Meldungen gehört oder gelesen, dass Menschen durch das aus defekten Öfen austretende gasförmige Gift Kohlenstoffmonoxid (CO) im Schlaf erstickten?

Was verbindet nun diese Meldungen?

Nun, natürlich der Rauch! Und die Tatsache, dass der Mensch dazu neigt, trotz nachweisbarer Risiken Dinge zu tun, die nicht gut für ihn und seine Gesundheit (Kohlekraft, Rauchen), seine Umwelt (Kohlekraft, Rauchen) und oftmals auch noch mehr oder weniger töricht sind (Kohlekraft, Rauchen, Rauchmelder), wobei Rauchwarnmelder zwar durchaus eine Berechtigung haben, aber nur eine Seite der Medaille widerspiegeln.

Was lernen wir aus diesen Meldungen?

Dass der Mensch auch Dinge hinzunehmen bereit ist, von denen er weiß, dass sie nicht gut für ihn und seine Gesundheit usw. sind, sofern nur eine starke Lobby mit mächtig viel Geld dahintersteckt und Dinge durchzusetzen imstande ist, von denen sie wissen sollte, dass sie nicht gut für uns und unsere Gesundheit …

Verweise zum Thema:
„Die Rückkehr der Kohle“ im NDR, mit Videofenster zum Nachsehen
Faltblatt „Schwarzes Gift“ des Umweltinstituts München e. V. (PDF, 306 KB)
Kohle | Umweltinstitut München
DKFZ: „Was uns Lebensjahre raubt“

Siehe hier auch:
Energiewende“, „Die Mehrheit und die (Nicht-)Raucher“, „Solidarität unter Rauchern“ und „Zigarettenpackungen

Wissen

(Sommersonnenwende, siebzehnter Teil)

Einige Monate später sitzt er wieder im Park. Nun ist es fast ein Jahr her, seit er sie hier zum ersten Mal gesehen hatte. Es ist Frühling, es ist schon warm. Er war damals im Saal aufgestanden und gegangen, zu müde war er und zu verwirrt. Und obwohl ihr mädchenhaftes Kichern bei der Erwähnung des magischen Theaters („Nur für Verrückte!“) im „Steppenwolf“ geradezu herzerweichend war und ihn beinahe zurückgehalten hätte. Dass ihm andauernd Hesse einfiel, war ihm auch nicht gerade zuträglich. Was hat Hermann Hesses „Steppenwolf“ schon mit seinem Leben zu tun? Ich bin einsam, denkt er. Wir sind alle einsam, nicht nur er und Harry Haller. Nur unsere Bedürfnisse und unsere Liebe halten die Einsamkeit in Schach: die Dunkelheit, das Wissen um das bittere Leid von Verlust. Er könnte weinen!

Stattdessen denkt er immer noch über ihre Worte nach. Hatte er — und, falls zutreffend: wann — jemals einen wirklichen Verlust erlitten? Das Leid erfahren, das ihm immer folgt, wenn man aufrichtig geliebt hat? Hatte er jemals aufrichtig geliebt?

Wir brauchen die Luft zum Atmen, aber haben wir jemals darüber nachgedacht? Wir brauchen die Liebe zum Leben, aber haben wir …? Alles, was wir über Liebe wissen, ist banal. Oder wissenschaftlich. Was wissen wir schon von der Welt der Träume, der Qual der Liebe? Er schaut zu Boden. Was wissen wir von diesem Felsgestein unter unseren Füßen, das unter dieser gepflasterten, asphaltierten, betonierten Oberfläche liegt? Er hält sein Gesicht in die Sonne. Was von dieser unbittlichen Sonne über unseren Köpfen? Wir haben das Einssein mit dem Universum verlernt. Er könnte schreien!

Aber das tut er nicht. Ein erneutes Kopfschütteln reicht. Nur die Sonne, die für diese Jahreszeit schon ziemlich wärmt, schreit, etwa einhundertfünfzig Millionen Kilometer entfernt. Dieses Wasserstoffinferno da oben stößt einen wahnwitzigen, unaufhörlichen Schrei aus, den wir nie jemals hören werden, weil wir mit einem Schrecken geboren wurden, der immer noch in unseren Ohren klingelt. Und falls dieses Klingeln jemals aufhören sollte, werden wir dennoch die solare Stille nicht hören. Es ist schwer, die Stille in einer Wüste zu ertragen! Und wenn es jemals aufhören sollte, dann werden wir … woanders sein. Nie werden wir dieses Wissen erlangen. Was wissen wir denn? Was wissen wir überhaupt? Und sie wollte wissen, was er eigentlich in ihr sieht! Er weiß noch nicht einmal ihren richtigen Namen!

Wir wissen um unseren Tod. Das ist alles, was wir wissen. Alles, was wir wissen müssen? Stelle diese Aussage infrage! Ich stelle diese Aussage infrage. Womit? Ich weiß es nicht. Mit dem Wissen um die Qual der Liebe?

„Ach, es ist schwer, diese Gottesspur zu finden inmitten dieses Lebens, das wir führen, inmitten dieser so sehr zufriedenen, so sehr bürgerlichen, so sehr geistlosen Zeit, im Anblick dieser Architekturen, dieser Geschäfte, dieser Politik, dieser Menschen!“

Schon wieder der „Steppenwolf“! Und wer sitzt denn dort auf der Nebenbank?