Favorite Der Tag war schön

Hoch über die weißen Wolkenberge
jagt Pegasus, mein Pferd, dahin
Ich liege hier auf einer Wiese
und schau’ ihm nach, wie er entschwind’t

Der Grashalm in meinem Mund
schmeckt bitter, auch etwas sauer
Das stört mich gar nicht im Moment
Hier liegt die Faulheit auf der Lauer

Die Gedanken verweilen bei meinem Herzen
und der, die darin wohnt
Setzt sich ein Schmetterling auf meine Füße
So wird die Liebe denn belohnt

Und wenn ich gleich nach Hause gehe
wartet sie mit off’nen Armen schon
und fragt, wie der Tag gewesen
O ja, der Tag war schön

Angst versus Glück

Zitate über Angst versus Glück versus Liebe

Die Kraft zur Angst und die zum Glück sind das gleiche, das schrankenlose, bis zur Selbstpreisgabe gesteigerte Aufgeschlossensein für Erfahrungen, in der der Erliegende sich wiederfindet.

(Aus Theodor W. Adorno: Minima Moralia, Frankfurt am Main 1951)

Man liebt dann, wenn man vor dem anderen nicht mehr fliehen will, obwohl man ahnt, dass dieser unmögliche Forderungen stellen wird.

(aus Wilhelm Genazino: Ein Regenschirm für diesen Tag, München 2001)

Bei fast allen Lebewesen sitzen Furcht und Neugier fast genau an der gleichen Stelle.

(aus Peter Høeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee, München 1994)

Ich fürchte, meine Angst vor der Trauer ist stärker als mein Appetit auf das Glück.

(aus Roger Willemsen: Kleine Lichter, Frankfurt am Main 2005)

Liebe richtet den Blick nach vorne, Hass den Blick zurück. Angst hat überall Augen im Kopf.

(Autor unbekannt)

(Wird, je nach Funden, unregelmäßig ergänzt; Kommentare und weitere Zitate zum Thema „Angst versus Glück bzw. Liebe“ sind selbstverständlich auch erwünscht!)

Favorite Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (12)

Der Bundesnachrichtendienst BND — ein Kind der NS-Zeit

Dieser Tage wird viel über den Bundesnachrichtendienst gesprochen. Doch wussten Sie, dass dessen Ursprünge in der Zeit des Nationalsozialismus’ liegen?

Der Bundesnachrichtendienst (BND), seine Verwicklung in die globale Überwachungs- und Spionageaffäre und seine Zusammenarbeit mit der National Security Agency (NSA) sind schon länger Thema der mehr oder weniger interessierten öffentlichen Wahrnehmung (siehe hier auch „Abhörskandal, war da was?“) und der mehr oder weniger gründlichen Aufarbeitung. Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden, der die enge Zusammenarbeit zwischen NSA und BND und zugleich den Aspekt der Wirtschaftsspionage offenlegte (siehe hier auch „Ein Bett für Edward Snowden“), aber handfeste Affären um den BND gab es auch schon vorher! Zur zusätzlichen Aufklärung soll nun einmal über die Geschichte des BND, der tatsächlich ein direktes Kind aus der Zeit des Faschismus in Deutschland ist und dessen Wurzeln sogar bis in den Ersten Weltkrieg zurückreichen, berichtet werden.

Ein früher Vorläufer des BND: Fremde Heere Ost

Entstanden ist der BND aus der „Abteilung Fremde Heere“, einer im Ersten Weltkrieg eingerichteten Dienststelle zur Bewertung der Feindeslage. Sie wurde zwar nach dem Krieg offiziell aufgelöst, aber unter dem Tarnnamen „Heeresstatistische Abteilung“ als „Abteilung T 3“ des Truppenamtes der Reichswehr weiterbetrieben. 1931 erfolgte die offizielle Rückbenennung in Abteilung Fremde Heere. 1938 wiederum fand eine interne Umstrukturierung statt, die zur Aufteilung in zwei getrennte Abteilungen des Generalstabs, nämlich in „Fremde Heere West“ und in „Fremde Heere Ost“ (FHO) führte. Letztere wurde von 1942 bis April 1945 von dem Generalmajor der Wehrmacht und NSDAP-Mitglied Reinhard Gehlen geleitet und hatte die Aufgabe, durch ein Agentennetz im Feindgebiet und durch Folter von Kriegsgefangenen Informationen über die Sowjetunion zu sammeln und auszuwerten. Und Gehlens Karriere wiederum war, wie die vieler Nationalsozialisten, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des Faschismus in Deutschland keineswegs zu Ende!

Reinhard Gehlen und seine Vorarbeit

Bundesarchiv Bild 183-27237-0001, Reinhard Gehlen

Reinhard Gehlen (Autor: Bundesarchiv)

Bereits ab Oktober 1944 plante Gehlen für die Zeit nach dem Krieg und dem Nationalsozialismus. Er entwickelte die Hypothese, dass sich die Westmächte eines Tages gegen den Verbündeten Sowjetunion wenden würden, was sich später als richtig erwies und schließlich zum Kalten Krieg führte. Gleichzeitig kam er zu dem Schluss, dass die USA die von ihm und seinen engsten Mitarbeitern vergrabenen Dokumente im Kampf gegen eine vermutete kommunistische Expansion benötigen würden. Sein weiterer (Hinter)gedanke war, sich selbst und seine Mitarbeiter vor der Gerichtsbarkeit der Alliierten und besonders vor der Auslieferung an die Sowjetunion zu schützen. Dabei kam ihm entgegen, dass die Westmächte dort selbst keine Agenten besaßen.

Der Vorläufer des BND: die Organisation Gehlen

Reinhard Gehlen 1945

Reinhard Gehlen in seiner Kriegsgefangenenakte 1945 (Autor: United States Army Signal Corps)

1945 schaffte das US-Militär diese Unterlagen ins Document Center nach Frankfurt-Höchst und entzog Gehlen und seine Mitstreiter einer Verhaftung. Im selben Jahr wurden sie in die USA geflogen und, wie andere Experten, unter anderen dem Raketenforscher Wernher von Braun und die Atomphysiker um Otto Hahn, dort zum Debriefing in Gewahrsam genommen. Schließlich wurde Gehlen im Juni 1946 zurück nach Deutschland und nach Camp King in Oberursel im Taunus, das ab 1945 als Kriegsgefangenenlager und der Nutzung durch den US-amerikanischen Geheimdienst Office of Strategic Services (OSS) diente, zurückgebracht.

Im Juli 1946 wurde vom US-amerikanischen Heeresnachrichtendienst G-2 Section die zunächst durch die USA finanzierte „Organisation Gehlen“ gegründet, deren Chef Gehlen zum Jahresende 1946 wurde. Dabei war es ihm gelungen, eine große Anzahl der noch lebenden Mitglieder seiner früheren Dienststelle, darunter viele ehemalige SS-, SD- und Gestapo-Offiziere, zu rekrutieren, auch weil sie in ihrer neuen Stellung mit einer neuen Identität versehen werden würden. Mit deren Hilfe schaffte er es schnell, die Organisation Gehlen zu professionalisieren.

Pullach und die CIA

Die US-Amerikaner betrieben den neuen Geheimdienst zunächst als Dienststelle der US-Armee. Ab dem 6. Dezember 1947 wurde die Organisation in der ehemaligen, von 1936 bis 1938 für die NS-Elite gebauten „Reichssiedlung Rudolf Heß“ in Pullach untergebracht, weil Camp King zu klein geworden und die Geheimhaltung hinter den hohen Mauern in Pullach besser zu gewährleisten war. Am 1. Juli 1949 übernahm die im Jahre 1947 gegründete Central Intelligence Agency (CIA) die Organisation Gehlen.

Reinhard Gehlen und der BND

CIA 689596 0002

CIA-Bericht von 1952 über die Gründungsgespräche des BND (Autor: CIA)

1951 begann in Deutschland die Diskussion über die Einrichtung eines oder mehrerer Nachrichtendienste auf Bundesebene. Am 1. April 1956 schließlich, gleichzeitig übrigens mit der Gründung der Bundeswehr, wurde die inzwischen mehrere Tausend Mitarbeiter zählende „US-Spionagefiliale“ der Organisation Gehlen in die Bundesrepublik Deutschland übernommen und erhielt den heutigen Namen „Bundesnachrichtendienst“. Pullach blieb Standort und Gehlen wurde deren erster Präsident — und blieb es bis 1968!

Er starb 1979 unbehelligt am Starnberger See. Vor seinem Tod soll er noch dem engsten Mitarbeiter des ehemaligen SS-Obersturmbannführers und während der Zeit des Nationalsozialismus’ und des Zweiten Weltkriegs als Leiter des für die Organisation der Vertreibung, Deportation und Ermordung der Juden zuständigen Adolf Eichmann, dem in Israel und Österreich steckbrieflich gesuchten Alois Brunner, zur Flucht nach Syrien verholfen haben, zudem galt er als enger Freund von Gerhard Frey, Herausgeber der rechtsextremen National-Zeitung und Gründer und Vorsitzender der rechtsgerichteten, nationalistischen Kleinpartei Deutsche Volksunion (DVU).

Fazit und weitere Verweise

Wer sich mehr für dieses Thema interessiert, dem sei beispielsweise der ungewohnt transparente BND-Artikel „Die Geschichte des BND“ empfohlen, und wenn wir heute, am 8. Mai, dem Ende des Zweiten Weltkriegs gedenken und die Befreiung von Faschismus und Krieg feiern, zeigt uns dieses Beispiel, dass diese verhängnisvolle Zeit keineswegs so lange vorüber ist, wie es manche Menschen glauben. Und wer weitere Beispiele dafür lesen mag, dem sei hier „Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (10)“ und „Unser Globus“ ans Herz gelegt.

Wen interessiert, wie häufig rechtsextreme Einstellungen noch verbreitet sind, lese „Ausländer“ und „Der Nazi in uns“!

Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (11)

Meistersterne: Warum Bayern München keinen neuen erhält

Stern mit Zahl 5

Nein, den fünften Meisterstern bekommen die Bayern nicht! (Microsoft Clip Art)

Seit dem letzten Sonntag ist der FC Bayern München zum 25. Mal deutscher Fußballmeister. Und erneut vorzeitig. Einen neuen Meisterstern wird der Verein dennoch nicht erhalten! Warum das so ist und wie Meistersterne in Deutschland, im Ausland und bei Europa- und Weltmeisterschaften vergeben werden, wird hier erklärt. Und von Ausnahmen im Frauenfußball berichtet.

Kein neuer Meisterstern für die Bayern

Der Fußballverein FC Bayern München ist seit letztem Sonntag, dem 26. April, zum 25. Mal deutscher Meister, und dies erneut vor Ablauf der Bundesligasaison: Er kann bis zum Ende der Spielzeit nicht mehr eingeholt werden. Einen zusätzlichen, nämlich den fünften Meisterstern auf ihrem Trikot, werden die Münchener dafür aber nicht erhalten und 25 Meistersterne gehen gar nicht. Warum eigentlich?

DFL und DFB: Meistersterne in Deutschland

Der Grund dafür ist etwas kompliziert. Hierzulande existieren zwei verschiedene Systematiken, nach denen Meistersterne vergeben werden. Eine Regelung wurde von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zur Saison 2004/05 eingeführt und gilt nur für diejenigen Vereine, die sich derzeit in den Bundesligen befinden. Eine zweite Regelung wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zur Saison 2005/06 eingeführt. Diese Regelung wird von der DFL allerdings abgelehnt und gilt daher nur für Vereine außerhalb des direkten Einflussbereichs der DFL, also für Vereine, die sich derzeit in der 3. Liga oder darunter befinden.

Unter die DFL-Regelung fallen nur Meistertitel, die in der Fußball-Bundesliga seit deren Einführung 1963 errungen wurden. Die Vergabe der Meistersterne ist klar geregelt, wenngleich willkürlich festgelegt, da die deutsche Bundesliga in ihrer Geschichte neben einer dominierenden Mannschaft, dem FC Bayern München, mehrere Vereine mit einer vergleichsweise geringen Anzahl an Meistertiteln aufweist. Diese Regelung sieht vor, dass ab drei Meisterschaften (bislang der Hamburger SV, Werder Bremen und der VfB Stuttgart) ein Meisterstern vergeben wird, ab fünf (bislang Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund) zwei Sterne, ab zehn drei Sterne und ab zwanzig Meistertiteln vier Sterne, wobei diese vier die Obergrenze für die Meistersterne sind. Sollte diese Regel nicht gekippt werden, wird also kein Stern auf den Trikots des Rekordmeisters hinzukommen — ein kleiner Trost vielleicht für diejenigen, denen jede Meisterschaft der Bayern eine zu viel ist!

Meistersterne in anderen europäischen Fußballligen

In der Mehrheit der europäischen Fußballligen, beispielsweise in den Verbänden in Belgien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, der Schweiz, Schottland, Serbien und Ungarn, wird die Regelung deutlich einfacher gehandhabt: Dort gibt es für zehn Meisterschaften einen Stern, für 20 zwei, für 30 drei usw. Die Verbände aus England, Kroatien, Spanien und Tschechien verzichten hingegen ganz auf die Vergabe von Meistersternen. Und in Brasilien übrigens gibt es keine einheitliche Regelung, sodass jeder Fußballverein eigene Regeln einführen darf.

Kontinentale und Weltmeisterschaften

Für kontinentale Meisterschaften werden, mit Ausnahme Afrikas, keine Meistersterne verliehen, also auch nicht für die Gewinner der Europameisterschaft. Bei den Fußball-Weltmeisterschaften ist die Vergabe der Meistersterne ebenso einfach wie bei der Regelung für nationale Meisterschaften außerhalb Deutschlands: Jeder Fußballweltmeister erhält für jede errungene Weltmeisterschaft einen Stern, wobei die deutsche Nationalmannschaft die Sterne erst seit der Qualifikation für die Europameisterschaft 1996 auf den Trikots trägt, die brasilianische dagegen ist schon seit der Weltmeisterschaft 1974 mit drei Sternen auf dem Trikot zu sehen.

Ausnahmen im Frauenfußball

Interessant dürften die Ausnahmen im Frauenfußball sein, nach denen es bei einigen Landesverbänden, deren Nationalmannschaften der Frauen noch keinen Weltmeistertitel gewinnen konnten, diese auf ihren Trikots die Weltmeistersterne der Männer tragen, wie etwa bei denen in Brasilien, Frankreich oder Italien. Auch die deutsche Frauen-Nationalmannschaft trug bis zu ihrem ersten Titelgewinn 2003 die bis dahin drei Sterne der Männer und erst ab dem zweiten von 2007 ihre eigenen zwei Meistersterne!

Verweise zum Thema

Meisterstern in der Wikipedia.
Siehe hier beispielsweise auch „EM-Qualifikation bei RTL“, Endspiele“ und „Fahnen“.

Einfache Fahrt

Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem nicht über Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer beichtet wird. Tausende von Toten sind inzwischen zu beklagen. Die italienische Gruppe Canzionere Grecanico Salentino hat ein herzzerreißendes Lied mit einem ebensolchen Video dazu veröffentlicht: „Solo andata“, eine einfache Fahrt — ohne Rückfahrkarte!

Flüchtlingsströme ohne Ende! Im Mittelmeer enden sie nicht selten in Katastrophen; es vergeht inzwischen kaum noch ein Tag, an dem wir nicht über oft bis zu Hunderte von Toten informiert werden. Tausende dürften es insgesamt sein: Bootsflüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen (wollen), die aus Verfolgung, Not und Elend fliehen und nur eine einfache Fahrt aufnehmen — ohne Rückfahrkarte. Und es lassen sich nur die zählen, die in Europa angekommen sind — egal, ob lebend oder tot. Und gleichzeitig kentert mit den Booten auch unsere Menschlichkeit!

Canzionere Grecanico Salentino, 1975 gegründet, gilt als ältestes italienisches Ensemble für traditionelle Musik. Es ist in Lecce auf der Halbinsel Salento in Apulien, dem „Absatz“ des italienischen „Stiefels“, beheimatet. Mit „Solo andata“ (deutsch: einfache Fahrt) haben sie ein herzzerreißendes Lied nach einem Text von Erri De Luca und der Musik von Daniele und Mauro Durante über die Bootsflüchtlinge geschrieben, und das Video dazu ist ebenso herzzerreißend. Der Text in einer wahrscheinlich nicht ganz so geglückten Übersetzung des Autors:

Solo andata — Einfache Fahrt

Wir, die Unzählbaren, verdoppeln jedes Schachbrett,
wir pflastern euer Meer mit so vielen Körpern, dass ihr darauf gehen könnt.

Ihr könnt uns nicht zählen: Wenn ihr es versucht, multiplizieren wir uns,
wir Kinder des Horizonts, der uns verkehrt herum ausspült.

Kein Polizist kann uns mehr missbrauchen
als wir nicht schon erlitten haben.

Wir werden euch als eure Diener dienen, als Kinder, die ihr nie hattet,
unsere Leben werden eure Abenteuergeschichten sein.

Wir bringen Homer und Dante mit, den Blinden und den Pilgerer,
den Duft, den ihr verloren habt, die Gleichheit, die ihr unterdrückt.

Wie groß auch immer die Entfernung, Millionen von Schritten, wir kommen,
wir sind die Füße und wir tragen euer Gewicht.

Wir schaufeln den Schnee, rechen den Rasen,
klopfen eure Teppiche, ernten eure Tomaten und Beschimpfungen.

Wir sind die Füße und wir kennen jeden Schritt,
wir sind die Roten und Schwarzen der Erde,

das Überseegebiet der ausgetretenen Sandalen,
der Blütenstaub und das Pulver im Wind heute Abend.

Einer von uns sagte in unserem Namen:
„Du kannst mich nicht loswerden.

Ja, ich werde sterben,
aber in drei Tagen werde ich auferstehen und wiederkommen.“

[Gesprochen:] Umarmt vom Mittelmeer,
Flüchtlinge aus Afrika und dem Osten
sinken in die Niederungen der Wellen.
Der Sack mit Samen, den sie von Zuhause brachten,
verstreut zwischen Seegras und Haaren.
Ausgetrockneter Boden in Italien ist ein Land ohne Entkommen,
wir lassen sie ertrinken um sie zu überfluten.

(Text: Erri De Luca)

Das Video im italienischen Original mit englischer Untertitelung:

 
Weitere Verweise zum Thema:
Petition auf change.org: Stoppt das Sterben auf dem Mittelmeer!
Dossier „Massengrab Mittelmeer“ mit zahlreichen Text- und Bildbeiträgen.
Siehe hier auch weitere Beiträge aus der Kategorie „fremd“ und dort besonders das Gedicht „Fremde“!

Favorite Unterbewertete Inhalte fördern

Wie sich mit einfachen Mitteln alte Blog-Einträge aus dessen Tiefen hervorholen lassen

Wer ein Weblog beginnt, kennt das: Man stellt Inhalte ein, hat aber meist noch wenig oder keine Besucher, die diese Inhalte lesen. So verschwinden diese Einträge in den Tiefen des Blogs. In den Augen der Betreiber sind das oft unterbewertete Inhalte. Sie präsenter zu machen, dafür gibt es Abhilfen!

Deprimierter Mann vor Rechner

Mist: so viele unterbewertete Inhalte und schon wieder keine Kommentare! (Microsoft Clip Art)

Juhu, das eigene Weblog ist fertig eingerichtet! Ein ansprechendes und persönliches Design und Layout, ein Theme in der Bloggersprache, das, je nach Kenntnissen, noch zusätzlich personalisiert wurde, mit übersichtlicher und lesbarer Typografie wurde ausgewählt — und nun geht es an die ersten Inhalte. Um dabei nicht nur für die zukünftige Leserschaft aufzufallen, sondern sich eventuell auch gleich bei den Suchmaschinen „einen Namen zu machen“, neigen viele dazu, in den ersten Beiträgen außergewöhnliche und besondere Inhalte einzustellen. Doch leider stellt sich bald heraus, dass selbst diese in den eigenen Augen „genialen“ Beiträge nicht so recht ankommen, sodass man weiter neue Inhalte produziert und die älteren naturgemäß in den Tiefen des Weblogs verschwinden, aus denen sich spätere Leserinnen und Leser nicht mehr die Mühe machen werden, sie hervorzuholen, um sie entsprechend zu würdigen. In den Augen der Betreiber sind das oft unterbewertete Inhalte. Gleiches gilt natürlich auch für Leute, die ihren Inhalten nicht unbedingt Genialität unterstellen, weil sie eher „aus Spaß an der Freude“ bloggen: Auch sie werden es irgendwann schade finden, wenn alte Inhalte in den Tiefen verschwinden, ohne so recht bemerkt worden zu sein.

Das hat drei Gründe:

    1. Das neue Blog hat noch kein Publikum und ist
    2. noch nicht in den Suchmaschinen präsent.
    3. Sowohl Suchmaschinen als auch das Publikum haben die Neigung, nur an neuesten Inhalten interessiert zu sein.

Sind, wie meist so eingerichtet, auf der Startseite die aktuellsten fünf oder zehn Beiträge sichtbar, schaut das Publikum, ruft es diese Homepage auf, eventuell noch einmal kurz über die zweite Seite, selten bis nie aber weiter nach hinten. Gelangt es durch einen Treffer einer Suchmaschine oder vielleicht auch durch eine Empfehlung anderer auf einen einzelnen Eintrag, wird dieser meist nur nach Relevanz beurteilt und gelesen. Findet es das Ergebnis hilfreich oder sympathisch, wird eventuell noch ein Kommentar hinterlassen, und schon ist es wieder weg. Es dauert, bis sich eine feste Leserschaft gebildet hat, aber inzwischen sind, sagen wir mal: etwa 90 oder 95 von 100 Einträgen für diese quasi „verschwunden“! Und je länger man sein Weblog führt, je mehr Monate und Jahre zu den Archiven hinzukommen, um so größer wird deren Anzahl!

Doch es gibt einfache Möglichkeiten, unterbewertete Inhalte wieder so hervorzuheben und zu fördern, dass sie nun eine entsprechende Würdigung erfahren können.

Aktualisierung von alten Beiträgen

Eine einfache Möglichkeit, unterbewertete Inhalte neu aufzubereiten, ist, sie zu aktualisieren. Natürlich kann man einfach nur den Zeitstempel, den Timestamp erneuern, indem man das aktuelle Datum eingibt, und den Eintrag „neu“ einstellen. Hierbei sollte allerdings ein Plug-in, eine Erweiterung, eingesetzt werden, das Suchmaschinen über die Änderung des Veröffentlichungsdatums informiert, besonders dann, wenn das Datum Teil des Uniform Resource Identifier (URI, die Internetadresse) des Beitrags ist, weil sonst auf die bisher bekannte URI verlinkt wird, die nun nicht mehr gefunden werden kann, was eine Error-404-Fehlermeldung provoziert: Seite nicht gefunden!

Weitaus sinnvoller ist es jedoch, nicht nur das Datum, sondern den Inhalt selbst zu aktualisieren und ein „Zuletzt aktualisiert am [aktuelles Datum]“ in den Eintrag einzufügen. Zusätzlich kann man diesen manuell an die oberste Stelle seines Blogs setzen, wozu keine Datumsaktualisierung notwendig ist. Wer aber beispielsweise Ratgeber- oder andere fachspezifische Weblogs betreibt, kann nach neuen, bei der Erstveröffentlichung noch nicht berücksichtigten, weil noch nicht vorhandenen Quellen, Artikeln, Produkten usw. Ausschau halten, diese in den alten Eintrag einarbeiten und ihn dann mit aktuellem Datum als „neu“ einstellen, wobei er automatisch an die oberste Stelle rückt. Zusätzlich kann man die neue, aktualisierte Version im alten Beitrag verlinken, falls dieser nicht gelöscht wird, womit wir bei den internen Verweisen sind.

Interne Verweise

Wer beispielsweise auch noch in sozialen Netzwerken aktiv ist, hat damit die Möglichkeit, mittels externer links auf das Weblog zu verweisen. Eine weitere Methode, unterbewertete Inhalte in den Blickpunkt zu rücken und zusätzlich das Publikum auf seinen Seiten zu halten, ist, interne Verweise zu schaffen, also links auf ähnliche Inhalte in die Beiträge einzubauen. Für Leserinnen und Leser sind Kategorien oder Schlagworte (tags), unter denen Inhalte veröffentlicht wurden, selten interessant; viel wichtiger sind auch schon vom Linktext (der Text, der statt der URI erscheinen soll) her gut erkennbare Verweise, die einen größeren „Mehrwert“ darstellen, besonders dann, wenn sie nicht nur aus dem Wörtchen „hier“ oder aus „finden Sie hier“ bestehen!

Erlaubt sind bei dieser Möglichkeit sowohl Verweise im Text selbst als auch Listen „zum Weiterlesen“ oder „ähnlicher Beiträge“ am Ende desselben. Zudem gibt es Erweiterungen, die sich bei Plug-in-Suchen nach beispielsweise „related content“ oder „popular posts“ finden lassen, auf die aber nicht eingegangen, weil hier zu „Handarbeit“ angeregt werden soll.

Verweise in Widgets

Fast immer haben Weblogs sogenannte Sidebars mit den Widgets, am besten mit „Komponenten einer Benutzeroberfläche“ zu übersetzen, die entweder links, rechts oder unten angeordnet und unter denen, je nach Einrichtung, beispielsweise die Kategorien, Schlagwörter und Archive sowie die letzten Einträge und Kommentare gelistet sind. Zudem steht ein Textfeld zur Verfügung, das sich individuell nutzen lässt, von dem aber viel zu wenig Gebrauch gemacht wird. Hierin lassen sich nämlich nicht nur freier Text, etwa das Motto des Blogs, sondern auch Weblinks platzieren!

So schiebe man das Textfeld an die gewünschte Stelle und füge etwa unter der Überschrift „Unterbewertete Inhalte“ seine eigene Auswahl ein (natürlich nicht als vollständigem Text, sondern als URI!), die am besten periodisch ersetzt wird. Sowohl die Überschrift als auch die Art der verlinkten Beiträge kann man natürlich persönlich anpassen, und, sofern vorhanden, hilft eine Übersicht über die aufgerufenen Seiten im Administrationsbereich (Dashboard) des Weblogs dabei, diese nach Nachfrage zu sortieren.

Es gibt zwar Erweiterungen, die Widgets nach meistgelesenen oder -aufgerufenen Inhalten generieren, oder auch spezielle Analysewerkzeuge für die Traffic- oder Protokolldateien-Auswertung, aber hier soll zu, siehe oben, „Handarbeit“ angeregt werden.

Beiträge „sticky“ machen

Beim Aufsuchen jedweder Internetpräsenz landet man allermeist auf der Startseite, es sie denn, dass man über eine Suche einem deep link folgt, also direkt „tief“ innerhalb der Präsenz auf einer bestimmten Seite landet. Inhalte auf der Homepage und besonders solche, die ganz oben stehen, werden erfahrungsgemäß am meisten gelesen. Auch hat man nicht immer und jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat Material zu veröffentlichen. Warum nicht also unterbewertete Inhalte von ganz hinten sticky machen, sie also oben auf der Startseite zu halten, um damit als erwünschtem Nebeneffekt auch Zeiten von Abwesenheit zu überbrücken und mitzuteilen, dass sich trotzdem „etwas tut“?

Dazu wird entweder im Beitrags-Erstellungs- und -bearbeitungsfenster des entsprechenden Inhalts in der rechten Spalte die „Sichtbarkeit“ durch Klick auf „Bearbeiten“ geöffnet und „Beitrag auf der Startseite halten“ ausgewählt oder im Übersichtsfenster aller Beiträge unter dem ausgewählten Inhalt „Quick Edit“ geöffnet, unter „Status“ „Diesen Beitrag oben halten“ angekreuzt und schließlich aktualisiert. Je nach Theme werden diese Einträge zusätzlich „ausgezeichnet“, was in der Typografie heißt, dass sie besonders hervorgehoben werden, beispielsweise durch Hinterlegung mit einer farbig abgesetzten Fläche, wie hier auf der Startseite zu sehen.

Diese Möglichkeit, unterbewertete Inhalte „künstlich“ oben auf der Startseite zu halten, empfiehlt sich nicht unbedingt für sämtliche unterbewerteten Inhalte, zumindest nicht für alle auf einmal! Und nicht für allzu lange! Da Kontinuität auch schnell langweilig erscheinen kann, ist es sinnvoll, sie je nach Besucherfrequenz wöchentlich oder spätestens nach ein, zwei Monaten zu wechseln.

Fazit und externer Verweis

Nur die (aller)größten Fans gehen auch einmal zurück in die Anfänge des Weblogs und würdigen die dortigen Einträge. In unterschiedlicher Form und Auswirkung, auch auf die eigene Mitarbeit und Kreativität, sind all diese Methoden geeignet, in den eigenen Augen unterbewertete Inhalte auch für die unregelmäßige Leserschaft zu fördern. Finden sie selbst dann keine erhöhte Beachtung, kann man sie nur dort belassen, wo sie sich schon befinden: in den Tiefen des Weblogs!

Ein sehr hilfreicher und lesenswerter, allerdings englischsprachiger Eintrag, der zudem zur Erstellung dieses Beitrags animierte, stammt von Shaun Quarton: „How to promote under-appreciated, old blog content“ auf Torque — WordPress News, WP Community Experts | @thetorquemag. Und wen es interessiert: „Warum ich es jetzt auch mit Bloggen versuche“, der allererste Eintrag hier vom 27. Januar 2009.