Ronalds Notizen

Freitag, 21. Oktober 2011

Persepolis

oder Ein Film und die Zukunft eines Landes

Vor ein paar Tagen hat sich der Autor den Zeichentrickfilm „Persepolis“ nach der gleichnamigen grafischen Novelle der gebürtigen Iranerin und jetzt in Frankreich lebenden Marjani Satrapi angesehen und war beeindruckt von der Schilderung der iranischen (islamistischen) Revolution von 1979 aus der Sicht eines kleinen Mädchens. Der Film wurde kürzlich auch in Tunesien gezeigt — kurz vor einer für die Zukunft des Landes so wichtigen Wahl!

Der sehr berührende Film beschreibt die Freude vor allem iranischer Intellektueller nach der Vertreibung des letzten Schahs Reza Pahlewi und deren Zuversicht in die Zukunft, die nun freie Wahlen und Meinungsfreiheit bringen würde, und deren zunehmende Hoffnungslosigkeit sowie deren Verfolgung, Gefangennahme, Folterung und Ermordung nach dem Sieg der Islamisten unter Ayatollah Khomeini durch dessen „Wächter der Revolution“. Während deren islamistischer Diktatur werden innerhalb kürzester Zeit mehr Menschen getötet als unter der ganzen des Schahs. Die Geschichte wird aus der Sicht des am Anfang achtjährigen Mädchens Marji gezeigt, die mit ihrem Wunsch nach westlicher Musik und Jeans und ihrer Abneigung gegen das nun verordnete Tragen eines Kopftuchs ziemlich aneckt. Dabei hält sie mehrmals Zwiesprache mit Gott, der auch dargestellt wird, was im Islam verboten ist.

Laut einer Meldung von Julia Gerlach in der S-Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom 17. Oktober 2011 auf Seite 7 wurde dieser Film kürzlich auch im tunesischen Privatsender Nessma-TV gezeigt. Dort löste er allerdings am letzten Freitag heftige Proteste aus, die sich auch gegen den Fernsehsender und dessen Besitzer richteten, die nur knapp einem Angriff auf ihr Haus entkamen, obwohl sie sich für die Ausstrahlung und besonders für die Szenen mit Gott entschuldigt hätten. Die Demonstranten forderten die Anwendung islamischen Rechts. Allerdings fand in Tunis bereits zwei Tage später eine Art Gegendemonstration von Jugendlichen, Musikern und Künstlern statt, die u. a. forderten, dass Tunesien kein zweites Iran werden dürfe.

„Zufällig“ soll am kommenden Sonntag auch eine verfassunggebende Versammlung für Tunesien gewählt werden, die innerhalb eines Jahres eine neue Verfassung erarbeiten soll, die wiederum die Weichen für eine demokratische Zukunft des Landes stellen könnte. Dabei erhitzt die Frage, wie hoch der Stellenwert des Islam sein wird, die Menschen natürlich am meisten.

Sollte der Film „Persepolis“ in Tunesien doch nicht so ganz zufällig vor diesem für dieses Land so wichtigen Termin ausgestrahlt worden sein? Ein Schelm (oder ein Islamist?), wer Böses dabei denkt! Und könnte ein Film tatsächlich die Meinung der Menschen beeinflussen?

Wir werden verfolgen, was aus den Wahlen am kommenden Sonntag geworden ist …

Freitag, 16. September 2011

140 Zeichen (5)

Abgelegt unter: 140-Zeichen-Texte, Lyrik und Prosa, Kunst und Kultur — Ronald @ 19:59

Nebel

„Was für ein Nebel heute!“, denkt Georg und schaltet wütend den Fernseher aus. Schlagersendungen mit Carmen Nebel konnte er noch nie leiden.

Freitag, 1. Oktober 2010

Kennen Sie BOOK?

Abgelegt unter: Kunst und Kultur, Information und Medien — Ronald @ 14:48

Kennen Sie schon BOOK? Nein? Diese Erfindung ist so genial (einfach), dass man sich fragt, warum sie nicht schon früher gemacht wurde:

Samstag, 7. August 2010

People are Strange

Abgelegt unter: Kunst und Kultur, Information und Medien — Ronald @ 3:10
When you’re strange, faces come out of the rain, when you’re strange. No one remembers your name, when you’re strange, when you’re strange.

(aus „People are Strange“, Words & Music by: The Doors)

Auch fast vierzig Jahre nach dem Tod von Jim Morrison haben The Doors und ihre Musik nichts von ihrer Anziehungskraft verloren: Angeblich verkaufen sie immer noch weltweit eine Million Tonträger pro Jahr. „Strange“ sind sie also keineswegs! Der neue Film „The Doors: When You’re Strange“ von Tom DiCillo versucht von Neuem, dieses Phänomen zu beleuchten.

Um es vorwegzunehmen: Für diejenigen, die zu deren „Lebzeiten“ schon Anhänger dieser Band waren, bietet dieser Film keine inhaltlichen Neuigkeiten, über die man nicht schon damals hätte verfügen können. Es kursierten auch ohne Internet reichlich Materialien, die für deren Fans von Interesse waren: Fotos (etwa von ihrem geheimen Auftritt auf dem Frankfurter Römerberg am helllichten Nachmittag), Kopien von Zeitungsausschnitten aus den USA (die übrigens schon damals belegten, dass Morrison während des legendären Auftritts in Miami keineswegs das Geschlechtsteil seines Gitarristen Robby Krieger in den Mund genommen hatte, weshalb er später auf der Bühne verhaftet wurde), Notenbücher mit Texten, natürlich „Bootlegs“ (illegale Konzertmitschnitte) bis hin zu einer inoffiziellen Biografie Morrisons des rührigen Ulrich Heumann, bei dem man mittels Briefkontakt Informationen suchen und tauschen konnte. (Die ganzen „offiziellen“ Morrison-Biografen sind sich unterdes in vielen Punkten reichlich uneinig, besonders, wenn es um den Tod des Sängers geht!) Und dass Morrison mindestens zwei Gedichtbände veröffentlichte („An American Prayer“ und „The Lords and The New Creatures“, außerdem gibt es die posthum erschienen „Wilderness: The Lost Writings of Jim Morrison“) war wohl vielen bekannt. Zudem war der Doors-Konzertfilm „A Feast of Friends“ von Paul Ferrara aus dem Jahr 1970 bereits in „alternativen“ Kinos zu sehen, weitere folgten!

Der Grund, diesen neuen Film herzustellen, liegt wohl darin, dass das Interesse an dieser wegen Morrisons erotischer und gleichzeitig dämonischer Ausstrahlung und entsprechender Auftritte einst als „gefährlichste Band Amerikas“ bezeichneten Gruppe nicht nur immer noch da ist, sondern dass immer wieder jüngere Leute diese Musik erst neu entdecken. An diese richtet er sich wohl auch in erster Linie: Der weitaus größte Teil der Besucher der vom Verfasser besuchten Vorstellung bewegte sich altersmäßig von etwa Anfang bis Mitte zwanzig. Und es geht ziemlich offensichtlich darum, den Verkauf der Musik der Doors noch weiter anzukurbeln!

So interessant die neu aufgetauchten Foto- und Filmmaterialien von ihren Studioaufnahmen, Fernseh- und Bühnenauftritten sowie von Jim Morrisons eigenem Filmschaffen (das viel zu kurz kommt) aber auch sind: Es wird kein einziges Musikstück ganz ausgespielt, und sei es, dass nur wenige Sekunden zum Ende fehlen, als gälte es, möglichst viele im Film unterzubringen! Und anstatt den Film, der mit einem durch einen Windhauch verlöschenden Streichholz beginnt und endet, auch musikalisch „rund“ enden und etwa das fantastische „The Crystal Ship“ oder das düstere „End of the Night“ nach einem Gedicht von William Blake ausnahmsweise ganz ausgespielt den Abspann über durchlaufen zu lassen, knallt der Regisseur im Sekundentakt ein Stück an das andere!

Die von Johnny Depp gesprochenen Texte enden mit den Worten, dass nur ein Licht verlöschen kann, das vorher auch gebrannt hat. Jim Morrison mit The Doors, die ihm den idealen musikalischen Rückhalt gaben, hatten gebrannt, was man von dem Film nur sehr bedingt sagen kann. Aber immer noch besser, als sich den Spielfilm „The Doors“ von Oliver Stone anzuschauen (der von den verbliebenen Mitgliedern, allen voran vom Keyboarder Ray Manzarek übrigens heftigst kritisiert wurde), denn wenn es etwas gibt, dass sich der Verfasser weder vorstellen kann noch möchte, dann ist es, die Person Jim Morrisons durch einen Schauspieler dargestellt zu sehen!

Links zum Thema:
THE DOORS: WHEN YOU ARE STRANGE (offizielle deutsche Filmseiten, teilweise aber englisch)
The Doors (offizieller Internetauftritt, englisch)
Warner Music Germany - The Doors (deutsch)
The Doors bei MySpace Musik (englisch)
The Doors | Die offizielle Homepage
die Pforten der Wahrnehmung („die älteste deutsche Doors-Seite“)
The Doors: When You’re Strange – Wikipedia (deutsche Version)
The Doors – Wikipedia (deutsche Version)
The Doors in Frankfurt

Freitag, 30. April 2010

Theaterblut bis zuletzt

Abgelegt unter: Kunst und Kultur, Leben und Arbeiten — Ronald @ 15:52

Manche Menschen arbeiten bis zum letzten Moment ihres Lebens für die Kunst. Jedenfalls, solange sie sich noch bewegen können. Der Schauspieler Peter Roggisch, der als einer der bedeutendsten Shakespeareschauspieler Deutschlands gilt, gehörte dazu. Und mehr, er trat noch auf, als er sich eigentlich kaum noch bewegen konnte!

Bei meinen Recherchen für den neu zu erstellenden Wikipedia-Artikel über Peter Roggisch stieß ich auf einen Text der Journalistin und Schauspielerin Peggy Parnass, die zeitweilig Tür an Tür mit ihm wohnte. Sie schrieb: „Inzwischen war aber Peter sehr, sehr krank geworden. Er hatte drei Hirntumore, wurde nicht operiert. Die Tumore verschwanden irgendwie. Und er konnte wieder am Thalia spielen, seine großen Rollen. War wunderbar wie immer. Er drehte weiter Filme und spielte im Fernsehen. Aber eines Tages wachte Peter auf und war gelähmt. Völlig gelähmt. Und blieb gelähmt. Dieser wunderbare charmante köstliche hochbegabte Mann im Rollstuhl. Er musste die Treppen runtergetragen werden. Er gab trotzdem noch einige eigene Abende im Thalia. Las die Bücher Dantes, im Alleingang. Wundervoll. Ganz wundervoll.“

Roggisch trat also am Thaliatheater in Hamburg, an dem er engagiert war, mit einer Lesereihe aus Dantes „Göttlicher Komödie“ auf, obwohl er bereits im Rollstuhl saß: Theaterblut bis zuletzt!

Links zum Thema:
Peggy Parnass: „Eine Freundin, zu Tode erschöpft“ in Der lachende Drache, 11/2003, PDF, Seite 7
Liebe macht hellsichtig: Ursprüngliche Uneinigkeit“ bei dctp.tv, eine Szene mit Hans-Michael Rehberg und Peter Roggisch aus „Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit“ von Alexander Kluge

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