Archiv der Kategorie Kunst und Kultur
Bücher
Dienstag, 22. Dezember 2009 von Ronald.
When my father died it was like a whole library
Had burned down.
(Laurie Anderson: World Without End)
Die Erfindung des Buchdrucks (und damit des Schriftsatzes mit beweglichen Lettern) wird als eine der umwälzendsten und folgenreichsten der menschlichen Kulturgeschichte betrachtet. Die Erfindung der Dampfmaschine gehört ebenso dazu wie die des späteren Verbrennungsmotors oder, in neuerer Zeit, der Computer und des Internets.
Heutzutage und hierzulande eine Dampflok zu sehen, kommt schon einem großen Glücksfall gleich. Verbrennungsmotoren sind immer noch gang und gäbe, obwohl diese Technik durch den Klimawandel zu Recht immer mehr in Verruf gerät. Und dass die Computerisierung die Welt veränderte, steht, auch für dessen Kritiker, außer Frage. Die Tendenz, ein Buch in die Hände zu nehmen und darin zu lesen, geht leider immer mehr zurück, obwohl es sie immer noch gibt und bei normalem Gebrauch weder der Gesundheit schaden noch die Atmosphäre vergiften. Wenn Literatur, dann aus dem Netz, und auch Hörbücher werden immer beliebter.
Davon abgesehen, dass das Lesen am Bildschirm auf Dauer gesundheitlich nicht gerade angebracht ist und dass Hörbuchversionen kursieren, die dermaßen grauenhaft gekürzt sind, dass die durch die Streichungen entstandenen Ungereimtheiten sogar jemandem auffallen müssten, der das entsprechende Buch nicht gelesen hat, ist es schade, dass man sich damit eines einzigartigen Genusses beraubt, den das Lesen eines echten Buchs bietet! Gutes Licht, eine bequeme Sitzmöglichkeit, eventuell ein guter Wein und etwas zu rauchen, und es lässt sich für Stunden die Zeit vergessen und in eine andere eintauchen — geradezu ein Weg zur Transzendenz.
Aber nicht nur Inhalte und Leseatmosphäre, sondern auch das Medium Buch an sich können faszinierend sein! Mag sich die Ansicht durchsetzen, dass die Zeit des bedruckten Papiers zur Weitergabe und Speicherung von Informationen schon bald vorbei sein wird: Bücher selbst bleiben bestehen, und seien es einige hundert Jahre oder mehr. Von der möglichen zeitlichen Begrenztheit in der Haltbarkeit digitaler Speichermedien will ich hier erst gar nicht reden!
Während meiner befristeten Aushilfstätigkeit in der Bibliothek des Städel-Museums hatte ich jeden Tag Dutzende, wenn nicht gar Hunderte von Büchern in der Hand. Eines der ältesten war ein Werk von 1751 über die Kaiser- und Königsgräber im Speyerer Dom.
Im Gegensatz zu vielen Werken aus dem letzten Jahrhundert, deren Seiten oft vergilbt sind, blieben die eines Buchs aus, sagen wir, dem 18. Jahrhundert weiß, wellen sich allerdings mehr oder weniger stark. Damals wurde oft auf handgeschöpftem Hadern- bzw. Büttenpapier gedruckt — heute eine Kostbarkeit im Schreibwarenladen —, das sich etwas rau anfühlt, da es früher nicht gewalzt wurde. Wenn Seiten nicht aufgeschnitten sind, lässt das darauf schließen, dass das Buch noch „jungfräulich“ ist und nicht gelesen wurde.
Die Druckfarben sind durch Feuchtigkeit oft etwas verwischt und erinnern an Aquarellfarben, der Text ist trotzdem lesbar. Das Schwarz ist mit dem Tiefschwarz moderner Farbherstellung nicht vergleichbar, es ist eher ein dunkles Braun. Abbildungen wurden einzeln mit der Hand auf leere Seiten geklebt oder als ganze Blätter in den Buchblock eingefügt (zusammen mit Zwischenblättern aus Pergament zum Schutz der Bilder), da sie in einem gesonderten Druckvorgang hergestellt wurden. Davon abgesehen, dass der Einband und besonders der Buchrücken oft stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und sich löst, ist die eigentliche Bindung, die Fadenheftung, die jedes schlecht geleimte Taschenbuch heutiger Zeit alt aussehen lässt, häufig noch völlig in Ordnung.
Auch habe ich im Lichtdruck hergestellte Kunstdrucke gesehen, die von einer drucktechnischen Qualität waren, die mit keinem Ausdruck einer Offsetmaschine vergleichbar ist (allein schon deshalb, weil hierfür keine Raster verwendet wurden, die jedes Motiv in mehr oder weniger große Punkte auflösen): Ergebnisse, die vom Original einer Radierung oder eines Stiches so gut wie nicht zu unterscheiden sind!
Bücher selbst sind Kunstwerke, die entsprechend behandelt werden sollten. Das Umknicken von Seitenecken als Lesezeichen etwa, wie ich es immer wieder in aus Büchereien ausgeliehenen Büchern vorfinde, sollte sich von alleine verbieten! Aber dazu müsste man ja erstmal ein Buch in die Hand nehmen und sogar darin lesen …
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Der ADC und Schlingensief
Dienstag, 3. November 2009 von Ronald.
Es gibt Meldungen, da schüttelt man nur den Kopf: „Christoph Schlingensief wird Ehrenmitglied des Art Directors Club für Deutschland“.
Man erinnere sich: Der Art Directors Club für Deutschland e. V. (ADC) ist der Zusammenschluss führender sogenannter „Kreativer“ der sogenannten „Kommunikationsbranche“. Mit anderen Worten: Werbefuzzis, die sich selbst für „am kreativsten“ halten bzw. von anderen dafür gehalten werden. „Der … ADC ist der Impulsgeber für die Kommunikationsbranche und Gradmesser für außergewöhnliche und herausragende Kommunikationslösungen“, tönt er vollmundig in seiner Selbstdarstellung. Und man erinnere sich etwa an Schlingensiefs Aktionen zu Arbeitslosigkeit mit Menschen, die für die Verheißungen einer solchen Branche wenig empfänglich sind.
Zu den früheren und prominentesten Persönlichkeiten, denen der Titel des ADC-Ehrenmitglieds verliehen wurde, gehören solche wie der Komödiant Vicco von Bülow (1980), Karikaturist Tomi Ungerer (1981), der Fotograf Helmut Newton (1984), der Verleger Rudolf Augstein (2000), sogar Titanic-Mitbegründer und Schriftsteller Robert Gernhardt (2002) und jetzt der Regisseur Christoph Schlingensief. Doch wie kommen diese zu dieser Ehrung? Besondere Verdienste um die Werbung, Pardon: „Kommunikation“?
Der Verdacht drängt sich auf, dass sich der ADC eher mit diesen Personen schmückt, als dass die Verleihung dieses Titels umgekehrt eine echte Ehre für diese ist. Aber man muss ja nicht jeden Titel annehmen, mehr noch: Manche können sogar eine Beleidigung sein!
Quellen:
medienhandbuch.de
Über den ADC
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Bohlen
Dienstag, 6. Oktober 2009 von Ronald.
Nein, nicht von den dicken Brettern ist hier die Rede und solche bohren wollen wir erst recht nicht, sondern vom Namen. Genauer: von Bohlen namens Dieter, also von Dieter Bohlen. Seit letzter Woche ist es amtlich: Er darf sich „Künstler“ nennen!
Laut Frankfurter Rundschau vom 2. bis 4. Oktober 2009 war ein Rechtsstreit mit dem ihn beschäftigenden Privatsender vorausgegangen, der ihn bisher als „Experten“ führte und daher meinte, keine Abgaben in die Künstlersozialkasse (KSK) abführen zu müssen. Das Bundessozialgericht entschied nun, dass Bohlen (der Name, nicht das Brett!) ein Teil der Show und daher „Künstler“ ist. Dabei mache es keinen Unterschied, wie dick (oder dünn) die Bretter sind, die Bohlen (wieder der Name!) bohrt, um den Anwalt der KSK mit meinen eigenen Worten wiederzugeben.
Das freut mich ganz aufrichtig für alle Bohlen(s) dieser Welt! Einzig die Tatsache, dass ich diesen bescheidenen Beitrag in Ermangelung geeigneter Kategorien unter „Kunst und Kultur“ einsortieren muss, bereitet mir Kopfzerbrechen. Vielleicht sollte ich eine neue mit dem Namen „Abfall“ anlegen?
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Bücher, Texte und das Universum
Freitag, 7. August 2009 von Ronald.
Wer Bücher lesen kann, kann auch Menschen lesen. Wer Texte schreiben kann, kann auch die Welt verändern. Ob man sich einem Universum der Worte gegenüberstellt oder einem Universum der Dinge, macht letzten Endes keinen Unterschied.
(Marc Buhl: Der rote Domino)
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Künstler
Samstag, 30. Mai 2009 von Ronald.
Die Künstler erschaffen die Welt jeden Tag neu und die Politiker ruinieren sie.
Die Künstler sind die Stiefkinder der Gesellschaft.
Der Künstler ist nur dann ein idealer Künstler, wenn er auch ein idealer Geschäftsmann ist.
(Thomas Bernhard: Die Berühmten)
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