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Der Volkszorn im Fall Edathy — 3 Kommentare

  1. Soweit bekannt wurde, ging es bei E. „nur“ um Nackt­auf­nah­men. Man muss es nicht gut fin­den. Man kann sich wun­dern, dass man sol­che irgendwo run­ter­lädt. Bei ein­fa­chen Nackt­bil­dern kann es durch­aus sein, dass die – nicht von ihm son­dern von Inha­bern jener Platt­form – irgendwo im Netz geklaut wur­den, z.B. von den Face­book­sei­ten der Eltern, die ihre lie­ben Won­ne­prop­pen allen Daten­schutz­war­nun­gen zum Trotz als Bild pos­ten. Wir akzep­tie­ren in unser Gesell­schaft über­all Nackt­heit. Sie springt uns von der Lit­faß­säule an, sie ist Dau­er­gast in Wer­bung und TV. Filme kom­men heut­zu­tage nicht ohne Bett­sze­nen aus. Offen­bar fin­den viele Nackt­heit gut. Die Wer­bung würde mit ihr nicht wer­ben, wäre es nicht hilf­reich. Kin­der lau­fen nackt durch die Bade­an­stalt oder am Strand. Kleine Mäd­chen, noch ohne Busen, tra­gen auf weib­lich getrimmt schon Biki­nis und wer­den oft als Modepüpp­chen ange­zo­gen. Wer dazu sagt, dass weni­ger viel­leicht mehr wäre, dass man nicht alles zei­gen muss, dass z.B. im Film lie­ber mit Andeu­tun­gen die Fan­ta­sie ange­regt wer­den sollte, der läuft Gefahr für prüde gehal­ten zu wer­den. Bei dem in eini­gen Kom­men­ta­ren zu dem Thema Edathy benutz­ten Begriff „Por­no­bild“ fällt mir die Frage ein: ab wann ist ein Nackt­bild ein Por­no­bild? Nackt­heit im Inter­net ist Porno, das Nackt­foto im Fami­li­en­al­bum mei­nes Babys mit Baby­speck­fal­ten in der Bade­wanne ist nur süß? Aber wenn ein Onkel im Fami­li­en­al­bum so ein Bild sieht und dabei gie­rig wird, wird das­selbe süße Bild im Album plötz­lich zum Pornobild?

    Und dann lädt sich jemand „ein­fa­che“ Nackt­bil­der run­ter und wird regel­recht sozial hin­ge­rich­tet. Poli­ti­scher Job weg, Freunde weg, kei­ner will mehr mit ihm zu tun haben. Für jeman­den, der sich seit einem Jahr einem Spieß­ru­ten­lau­fen aus­ge­setzt sieht, ist ein Buß­geld von 5.000 € viel­leicht mehr Geld als wir meinen…

    Das, was Herrn Edathy vor­ge­wor­fen wurde, zumin­dest zum Zeit­punkt der „Tat“ ver­mut­lich nicht straf­bar gewe­sen. In Staa­ten wie China kommt es schon mal vor, dass Men­schen für etwas ver­ur­teilt wer­den, was zum Zeit­punkt der Tat noch nicht straf­bar war, wenn man unlieb­same Men­schen los wer­den will. In Rechts­staa­ten wie wir von Deutsch­land glau­ben, dass er einer ist, darf das nicht so sein. Oder wollte man Herrn E. los wer­den? War er unbequem?

    Da kommt ein Mensch mit sicht­ba­rem Migra­ti­ons­hin­ter­grund, womit ja eine nicht geringe Zahl von Deut­schen durch­aus Pro­bleme hat wie wir nicht erst durch Pegida wis­sen, und lei­tet den NSU-Unter­su­chungs­aus­schuss, legt den Fin­ger in die Wun­den, die durch Nazis und Fehl­ver­hal­ten /​ Ver­sa­gen bei Ver­fas­sungs­schutz und Poli­zei ent­stan­den sind. Viel­leicht hatte er sich mäch­tige Feinde gemacht. Die „Tat“ – das Her­un­ter­la­den – soll ja schon län­ger zurück­ge­le­gen haben. Aber viel­leicht erin­nerte man sich erst wie­der daran als der von Herrn E. gelei­tete NSU-Unter­su­chungs­aus­schuss zu unbe­quem wurde und es war eine güns­tige Gele­gen­heit, einen unbe­que­men Wider­sa­cher fer­tig zu machen und los zu wer­den. Und nun? Der poli­ti­sche Geg­ner jubelt, die eigene Par­tei will ihn los wer­den, weil sein Ruf ver­saut ist.

    Die Leute, strö­men in die Kinos, um sich „Fif­tiy shades of grey“ anzu­gu­cken, in dem – dem Hören­sa­gen nach – die Liebe einer Frau aus­ge­nutzt wird und der Mann in die­ser hoch­ge­lob­ten Geschichte eben nicht die Gren­zen ein­hält, die bei unge­wöhn­li­chen Sexu­al­prak­ti­ken üblich sein sol­len. Die Ver­herr­li­chung sexu­el­ler Gewalt, die Aus­beu­tung von Frauen, dul­det die Gesell­schaft nicht nur son­dern „kul­ti­viert“ sie noch in jeder­mann zugäng­li­chen Fil­men, aber Nackt­bil­der, bei denen ver­mut­lich allen­falls die Quelle frag­wür­dig ist, füh­ren zur Ver­nich­tung einer Person.

    Es ist noch nicht so lange her, da war es mög­lich, Poli­ti­ker und Gene­räle mit dem blo­ßen Ver­dacht der Homo­se­xua­li­tät fer­tig zu machen oder zu erpres­sen – nur weil der Volks­zorn es zuließ. Heute ist Homo­se­xua­li­tät bis in höchste Staats­äm­ter akzep­tiert bzw. gedul­det, da bedarf es dann här­te­rer Ver­dächte oder Vor­würfe wie Kin­des­miss­brauch, der hier wohl nie statt­fand, aber wenn man es öffent­lich oft genug schreibt, den Namen mit die­sem Ver­bre­chen in Ver­bin­dung bringt…. Pfui Teufel!

  2. Pingback:Viele gegen die Abschaffung der Todesstrafe – Ronalds Notizen

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