StartseiteMarkt und WirtschaftWiedervereinigung: der verpasste Traum    

Kommentare

Wiedervereinigung: der verpasste Traum — 7 Kommentare

  1. In die­ser Kon­stel­la­tion hat es noch kein Deutsch­land gege­ben. Das frü­here Deutsch­land (zu den jewei­li­gen Zeit­punk­ten war ent­we­der grö­ßer oder zer­stü­ckelt klei­ner). Ver­ei­ni­gung ohne „Wie­der“ wäre m.E. richtiger. 

    Von Ver­ein­nah­mung kann man wohl spre­chen. Ob ein eigen­stän­di­ger zwei­ter deut­scher Staat aber lebens­fä­hig gewe­sen wäre, ist zwei­fel­haft. Der Zustand dort vor Ort war so marode, die Wirt­schaft wäre ohne mas­sive Unter­stüt­zung nicht lebens­fä­hig gewe­sen. Die damals den ande­ren Weg wünsch­ten, haben mög­li­cher­weise nicht die Wirt­schafts­kennt­nisse und den Über­blick gehabt. 

    Heute sind die Städte und Orte nicht mehr grau, schmut­zig, stin­kig (2-Tak­ter-Ben­zin).

    Es hätte vom Wes­ten) mas­siv gespon­sert wer­den müs­sen und man hätte Ver­träge gemacht – die Ex-DDR hätte quasi als Kolo­nie unse­rer Wirt­schaft dage­stan­den. Schlim­mer noch als heute vermutlich 😉 

    Es hätte einen Exo­dus nach „gutem Leben“ gege­ben. Die Leute wären (und sind auch so) scha­ren­weise nach Wes­ten auf­ge­bro­chen, als es (end­lich) mög­lich war. Wäre die­ser Staat dann noch lebens­fä­hig gewe­sen, wenn schon vor­her so viele Pro­bleme bestanden?

    Die Treu­hand war mei­nes Wis­sens nicht treu…
    Es hat über­all viele Feh­ler gege­ben. Man hätte eini­ges über­neh­men kön­nen, was brauch­bar war. Das hätte dem Selbst­ver­ständ­nis der Men­schen in der DDR gut getan, aber das müs­sen wir unse­ren Poli­ti­kern zuschrei­ben, die nicht sach­lich son­dern mit Hoch­mut und Über­heb­lich­keit gehan­delt hat­ten. Ein paar Stell­schrau­ben anders und eine Ver­ei­ni­gung wäre auch für die „Ossis“ ver­träg­li­cher gewe­sen. Eine Schande übri­gens, dass es immer noch nied­ri­gere Ost­ge­häl­ter gibt. 

    Wenn wir auf Heute gucken, ist die Frage, wie in einer Welt wie­der zuneh­men­der Kon­flikte die Situa­tion zwi­schen den bei­den Staa­ten und zwi­schen Ost und West all­ge­mein gewe­sen wäre. Wir wis­sen es nicht. Ich befürchte aller­dings, dass es für den ein­zel­nen Men­schen nicht unbe­dingt bes­ser gewe­sen wäre. 

    Vor genau 25 Jah­ren und zwei Wochen, also genau in den letz­ten 2 Wochen der DDR, war ich das ein­zige Mal in der DDR, um meine alte Tante in Ros­tock zu besu­chen, die ich zuvor nur bei für Rent­ner erlaub­ten West­be­su­chen gese­hen hatte. Ich war geschockt von der Optik wäh­rend der Fahr­stre­cke: Kriegs­rui­nen (Kir­chen), aus denen Unkraut wucherte, grie­se­graue Häu­ser­fas­sa­den, trost­los, trau­rig und ein schreck­li­cher Geruch… schon damals Preise in den noch klei­nen Fens­ter­aus­la­gen wie im Wes­ten (bei wirt­schaft­lich arm­se­li­ger Situa­tion der Men­schen dort). Seit damals hat sich übri­gens der bio­lo­gi­sche Zustand der Elbe erheb­lich ver­bes­sert. Abwäs­ser wur­den von der Indus­trie damals im Osten ein­fach unge­fil­tert bzw. nicht aus­rei­chend gefil­tert eingeleitet.

    • Im Gro­ßen und Gan­zen hast du sicher­lich recht, gerade in Bezug auf die Alt­las­ten, die in Form von Schad­stof­fen im Boden man­cher­orts auch heute noch Pro­bleme berei­ten. Und natür­lich war die DDR auch finan­zi­ell marode, und die Werk­tä­ti­gen arbei­te­ten teil­weise zu Bedin­gun­gen, wie man sie im 19. Jahr­hun­dert ver­or­ten würde, was im genann­ten und übri­gens sehr span­nen­den Film „Gold­rausch — Die Geschichte der Treu­hand“ gut zu sehen ist. Aber träu­men darf man ja einmal!

      „Die Treu­hand war mei­nes Wis­sens nicht treu“: wohl war! Die Mög­lich­keit übri­gens, dass die Werk­tä­ti­gen ihr Eigen­tum (schließ­lich han­delte es sich meist um „Volks­ei­gene Betriebe“ VEB!) selbst über­neh­men und bei­spiels­weise genos­sen­schaft­lich wei­ter­füh­ren konn­ten, war von vorn­her­ein nicht mög­lich und uner­wünscht, zudem konn­ten sich West­fir­men ihrer uner­wünsch­ten Kon­kur­renz aus dem Osten schnell ent­le­di­gen (siehe etwa Inter­flug ver­sus Luft­hansa), indem sie sich ihrer ein­ver­leib­ten und sie danach zer­schlu­gen, falls letz­te­res nicht gleich geschah. Doch es gibt auch Bei­spiele für erfolg­rei­ches Wei­ter­be­stehen; so sei hier der VEB Reichs­bahn­aus­bes­se­rungs­werk (Raw) genannt, der knapp an der Zer­schla­gung durch die Treu­hand „vor­bei­schrammte“ und heute als Dampf­l­ok­werk Mei­nin­gen ein erfolg­rei­ches und welt­be­kann­tes Kom­pe­tenz­zen­trum für (Dampf)lok- und Bahn­tech­nik ist!

      Und was die (Wieder)vereinigung betrifft, so soll­ten wir eins nicht ver­ges­sen: Wäh­rend sämt­li­che sowje­ti­schen Trup­pen bis 1994 aus Ost­deutsch­land abge­zo­gen wor­den waren, so wurde ein Aus­tritt aus der NATO nicht nur nie dis­ku­tiert, son­dern zur­zeit wird sogar eine ato­mare Auf­rüs­tung sei­tens der USA geplant, deren Gründe aus­schließ­lich in einer Ankur­be­lung des wirt­schaft­li­chen Wachs­tums sei­tens des sta­tio­nie­ren­den Lan­des zu fin­den sind!

  2. Pingback:Zum Wandel unserer Begrüßungskultur – Ronalds Notizen

  3. Pingback:Was Sie schon immer (nicht) wissen wollten (21) – Ronalds Notizen

  4. Pingback:Der 9. November, ein Schicksalstag – Ronalds Notizen

  5. Pingback:In der Wortwahl vergriffen: DDR 2.0 – Setzfehler

  6. Pingback:Unsäglich: Nazi- und DDR-Vergleiche – Ronalds Notizen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

HTML tags allowed in your comment: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>